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III. Buch. Reif sein. 1895

Full text: Moderne Menschen / Meissner, Franz Hermann (Public Domain)

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„Do ut des, Durchlaucht,“ bemerkte Anders kurz, — 
„ich gebe mehr, Ich trage das größte Risiko, das seit Men- 
schengedenken von einem Privatmann in Berlin getragen 
worden ist, denn ich muß sechs bis acht Millionen in die 
Sache hineinstecken, die ich in einem Jahrzehnt schwerlich 
heraushole. Ich möchte aber einmal etwas Großartiges an 
Straße wie an Villenanlage ohne Rücksicht auf Verdienst 
ins Leben rufen; hole ich meine Kosten heraus, will ich zu- 
frieden sein. Der Staat hingegen hat auf alle Fälle eine 
Prachtstraße ohnegleichen, die in zwei Jahrzehnten bis zum 
Grunewald hin mit Palästen besetzt sein wird.“ 
Der Fürst warf wieder einen raschen Blick unter seinen 
müden Lidern zu seinem Besucher hinüber, als wollte er 
dessen Gedanken hinter der stark gebuckelten, hohen Stirn 
lesen. Er will irgend etwas haben oder werden, dachte er 
aus seiner Menschenkenntnis heraus. Da huschte ein Ge- 
danke durch den Kopf des alten Herrn. Sein Auge schlug 
er nieder und sann einen Augenblick, — dann aber wurde 
er lebhaft, begann zu fragen und ließ sich aus den Plänen 
den Vorschlag nochmals erläutern. Anders spürte mit der 
raschen Witterung des Spekulanten sofort, daß die Sache 
saß, — ganz unauffällig wiederholte er jetzt die Haupt- 
punkte und Schlagworte so oft, bis sie fest im Gedächtnis 
des Fürsten haften mußten. — „Wir werden wegen des Bahn- 
hofs auch das Eisenbahnministerium hinzuziehen müssen, — 
dann aber das Schwierigste: das Hof-Jagdamt. Haben Sie dort 
Fühlung genommen? Nein? Das letztere ist meinem Bereich 
entrückt, — das wird Schwierigkeiten geben.“ 
„Wenn der Kaiser will, will auch das Hof-Jagdamt,“ 
fiel Anders mit Nachdruck ein. 
„Gut,“ sagte der Kanzler, — „Ihr Vorschlag scheint 
mir näherer Prüfung wert. Jch werde mit meinen Kollegen 
im Ministerium Rücksprache nehmen. Treten mir keine ernst- 
lichen Bedenken entgegen, dann will ich die Sache dem 
Kaiser vortragen.“ 
„Verbindlichsten Dank, Durchlaucht. Ich baue auf die 
innere Güte meines Antrags und habe wegen seines Schick-
	        
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