Path:
II. Buch. Arm sein ist ein Unglück. 1885

Full text: Moderne Menschen / Meissner, Franz Hermann (Public Domain)

944 
Frau nehmen, die diese Geschäfte nicht kennt, ist unfein. 
Ich tu’s nicht, und Otto ebensowenig.“ 
Einen Augenblick dachte Frau Erna Rusch nach: „Herr 
Schmielecke,“ sagte sie klar und abgemessen, — „Ihr Acker 
ist mehr wert, als Sie zahlten, hat Zukunft, und Sie wollen 
einen Teil davon verkaufen. Ich bin diejenige, welche am 
Montag von Ihnen für sechstausend Mark nimmt. Damit 
Sie mich nicht übers Ohr hauen, wird mein alter Baumeister 
Prutz alles weitere mit Ihnen abmachen. Da wir Freunde 
sind, und ich als Dame galantes Erfüllen eines Wunsches 
beanspruchen kann, gibt es keine Absage. Ich will auch 
in Tegel verdienen. Lehnen Sie ab, habe ich Grund, an 
Ihrer Freundschaft zu zweifeln und werde die nötigen Konse- 
quenzen daraus ziehen.“ Ihre Stimme war bei den letzten 
Worten recht scharf geworden. 
Paul starrte das forsche kleine Frauchen nach dieser 
Drohung mit aufgerissenen Augen an, — — wie schön und 
begehrenswert war sie doch in der rundlichen Fülle der 
Figur und mit dem hübschen Köpfchen mit den glimmenden 
Kohlen darin und diesem verlegenen Lächeln um den halb- 
offenen Mund... 
— — —. ein süßer, betörender, weltendurchsausender 
Rausch erfaßte ihn, — die Lampe im Zimmer dehnte sich 
in riesigen Lichtringen, — die Zimmerwände wollten aus- 
einandergehen, — es war ordentlich schmerzhaft. Seine 
inhaltlose Vergangenheit tanzte in zerrissenen Bildfetzen 
an seinem wunden Hirn vorüber, während seine Augen wild 
auf das immer verlegener werdende, blutrot übergossene 
Weib vor ihm starrten, — dann aber löste sich aus der 
warmen Traulichkeit ringsum und einem wunderlich zarten 
Sehnen nach dieser unnahbaren Frau klingender Frühling 
mit Schalmei und Geigenspiel — — — 
— — —— da aber lag Paul schon zu ihren Füßen und 
lachte und jubelte und flehte: „Kotzdonnerwetter, — das 
ist ja das Dämlichste, was mir je passiert ist, — liebe, 
süße, schnuckrige, kleine Erna, — du Prachtweib, — liebst 
lu mich rüden Kerl wirklich? Ach, Freundschaft! Weißt
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.