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II. Buch. Arm sein ist ein Unglück. 1885

Full text: Moderne Menschen / Meissner, Franz Hermann (Public Domain)

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„Soll hier vermessen werden?“ — Der Hagere sah ihn 
kühl an und sagte: „Ja.“ 
„Darf ich fragen, zu welchem Zweck und für wen?“ 
Der Hagere sah Otto blitzschnell nochmals an und dann 
zu seinen Leuten hinüber, ohne eine Antwort zu geben; 
er schien schlecht gelaunt zu sein. Anders ärgerte sich 
über diese verächtliche Art der Ablehnung; er sah sich 
rasch nach allen Seiten um, was der Hagere nicht be- 
merkte. 
„Da Sie mir keine Antwort zu erteilen für gut be- 
finden, mein Herr,“ fuhr Otto scharf und herausfordernd 
jetzt auf, „ersuche ich Sie um Ihre Legitimation; meinen 
Acker hat niemand ohne meine Erlaubnis zu betreten, — 
verstanden?“ 
Der Landmesser sah den groben Fremäling giftig an. 
Das also war der Patron, der ihm den fetten Braten vor 
der Nase weggenommen; und jetzt wurde der Kerl auch noch 
frech! Otto wurde unheimlich über das Zögern des Be- 
amten; er besaß ja, da die gerichtliche Eintragung noch 
nicht erfolgt war, noch gar kein Recht, sich als Besitzer 
aufzuspielen. Schadet nichts, — jetzt energisch durch! 
dachte er: „Sie verweigern mir also auch die Legitimation?“ 
brüllte Otto, sich künstlich in Wut setzend, — „Sie werden 
sofort mit mir aufs Amt kommen. Heda, Leute,“ wandte 
er sich den Gehilfen auf dem Felde zu, — „herunter von 
meinem Eigentum, — vorwärts! — marsch! — wird’s bald? 
Sie kommen allesamt mit mir zur Feststellung Ihrer Per- 
sonalien zum Amtsvorsteher. Verweigern Sie das, so werde 
ich Ihre Feststellung auch so erzwingen. Welche gesetz- 
lichen Strafen auf eine Weigerung stehen, dürfte Ihnen 
wohl bekannt sein. Also jetzt allesamt vorwärts!“ 
Jetzt hielt der Landmesser es für geraten, einzulenken. 
Er winkte den Leuten mit der Hand und sagte gegen Otto 
gewandt kurz: „Noch einen Augenblick! Sie sind der Be- 
sitzer? Das könnte schließlich jeder sagen, Was ver- 
gewissert mich darüber?“ 
„So—07“ fragte Otto gedehnt, — „also wenn ich mir
	        
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