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Lenzes Gebot. Eine Pfingstgeschichte aus der Stadt

Full text: Der Held des Tages / Lindau, Paul (Public Domain)

Lenzes Gebot 
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begnügen. Das war freilich manchmal ein bißchen 
unbequem, aber für Bernhard, in dem der ökonomische 
Sinn sehr ungenügend ausgebildet war, von unberechen⸗ 
barem Nutzen. Als er Amanda geheiratet hatte, 
war er verschuldet. Jetzt nach sechzehnjähriger Ehe 
war er im Besitze eines hübschen Vermögens, das 
von Jahr zu Jahr anwuchs. Und es wurde in keiner 
Weise geknickert. 
Bernhard anerkannte das auch dankbar. Er respek⸗ 
tierte Amanda. Mit den Jahren hatte er sich in das 
Abhängigkeitsverhältnis seiner Frau gegenüber vollig 
eingelebt. Er fühlte sich nicht gedemütigt und muckte 
nicht, wenn sie ihn wie einen kleinen Jungen behandelte. 
Es war ihm ganz klar, daß sie alles viel besser be⸗ 
sorgte als er, und es war ihm sehr bequem, daß er 
nicht zu sorgen brauchte. Wie gesagt, er respek⸗ 
tierte Amanda. 
Aber damit war ihr nicht gedient. Sie wollte 
geliebt sein, wie in den Frühlingstagen des Boccaccio, 
und sie war anspruchsvoller als Fiammetta: sie 
begehrte nicht nur seine Liebe, sondern obendrein noch 
Treue. Das war ein bißchen viel verlangt. 
Bei allem Respekt vor seiner Gemahlin hatte 
Bernhard doch nicht übersehen können, daß sich die 
verführerischen Reize des Weibes mit den Jahren 
in den angenehmen Wölbungen und Rundungen seiner 
Amanda immer mehr verborgen hatten; dagegen
	        
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