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Betty. Ein Berliner Notturno

Full text: Der Held des Tages / Lindau, Paul (Public Domain)

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Paul Lindau 
Als ich aber die Nadel aus der Krawatte zog 
und mir ansteckte, zitterte ich, und ich fühlte meinen 
Pulsschlag am Halse. Das erschien mir häßlich 
und gemein; das fühlte ich: das ist Diebstahl. 
In meinem Fieber kam ich aber auch darüber 
gleich hinweg. Ich warf noch einen Blick auf den 
Schläfer, raffte alles zusammen und ging. 
Dem Kellner, der mir auf der Treppe begegnete, 
sagte ich, daß ich den Herrn zum Frühstück erwarte. 
Wenn er um zwölf noch nicht wach sei, solle man 
ihn wecken. 
Ich fuhr zu meiner Wirtin. Sie ist als Zeugin 
geladen, und sie wird Ihnen sagen, was ich seitdem 
getrieben habe. Ich habe in den sechs Wochen bis 
zu meiner Verhaftung nicht einen Besuch empfangen; 
ich bin nicht ein einziges Mal allein ausgegangen 
— außer in den Nachmittagsstunden zwischen zwei 
und vier. Da habe ich Stunden im Stenographieren 
und Maschinenschreiben genommen. Das wird Ihnen 
die gleichfalls als Zeugin geladene Lehrerin bestätigen. 
Ich habe mir eine Schreibmaschine gemietet, ich 
habe meine Stunden gezahlt, die Pension bei meiner 
Wirtin, die Wäsche. Nicht einen Pfennig habe 
ich verschwendet, beiseite geschafft oder unterschlagen. 
Bis auf das, was ich habe ausgeben müssen, hat 
der Herr alles wieder bekommen, was ich ihm ge⸗ 
nommen hatte. Das, was fehlt, hätte ich ihm am
	        
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