Path:
VI.

Full text: Der Holzhändler / Kretzer, Max (Public Domain)

89 — 
Uhr zu speisen und empfahl sich mit einem herzhaften 
Kuß. 
Eine Viertelstunde später zogen die Rappen draußen 
kräftig an. Dulters, in seinen eleganten Stadtpelz 
gehüllt, diesmal den Zylinderhut auf dem Kopfe, saß 
behaglich in dem offenen Landauer, erfreute sich des 
trockenen, frischen Wintertages und lüftete verschiedene 
Male höflich den Hut, sobald er von Passanten der 
Tiergartenstraße gegrüßt wurde. Es erweckte doch ein 
behagliches Gefühl, ein angesehener, allgemein geach— 
teter Mann zu sein. 
Er fuhr durch die vornehme Bellevuestraße, die 
stark belebte Leipzigerstraße, und nahm dann den Weg 
in einem kleinen Bogen der südöstlichen Vorstadt zu. 
Er hätte es durch die Königgrätzerstraße und dann in 
gerader Linie über das Hallesche Tor näher gehabt, 
aber er hatte Befehl gegeben, nur in ganz dringenden 
Fällen, wo Zeit wirklich Geld bedeutete, den kürzeren 
Weg zu benützen. 
Die Gitschinerstraße mit ihren öden Mietskasernen, 
ihren Fabriken, den Gasanstalten und mit dem soge— 
nannten „Familienhaus“, „den Mücken“ dieser Gegend, 
wie der Volksmund diese Ansammlung von einigen hun— 
dert Mietern nannte, behagte ihm nicht. Überall roch 
er Fett, Gase und Armut. Nicht, daß er in einem 
protzenhaften Dünkel befangen gewesen wäre — Dumm— 
stolz und Hochmut lagen ihm fern. Aber die reine 
Luft der großen Wälder hatte seinen Geruchssinn ver— 
feinert, so daß ihm nichts verhaßter war als schlechte 
Dünste. Sie wirkten sozusagen auf seine Seelen—
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.