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Sechzehntes Kapitel

Full text: Die Verkommenen (Public Domain)

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Er hatte bemerkt, wie der gestrenge Herr vor ihm 
spöttisch lächelte. 
«So. Also wenn man seinen Freund totschlägt, sein 
eigenes Kind vernachlässigt, daß es verbrennt, dann 
geht man mit gutem Beispiel voran? Nach Ihrer Mei— 
nung! Das kennt man schon. Das sagt ihr immer, wenn 
eines Tages Beschwerden über eure sauberen Fräulein 
Töchter einlaufen.“ 
Der Eisendreher blieb stumm, aber er preßte die Lippen 
aufeinander, als wollte er mit Gewalt jedes Wort zurück⸗ 
halten, das eine Beleidigung hätte sein können. Ein Hund 
durfte winseln, wenn man ihn mit Füßen traktierte; er 
mußte schweigen. 
Und der Vertreter der öffentlichen Sicherheit fuhr in 
seinen Ausführungen fort. Er müsse Merk amtlich ver— 
hören und seine Aussagen zu Protokoll nehmen. Man habe 
an jenem Abend in der Dunkelheit von dem Weinbergs⸗ 
weg einen Mann verschwinden sehen, der eiligst davon lief 
und der das Attentat begangen haben müsse. Wo er, Merk, 
sich während jener Zeit besunden habe, ob er das genau 
angeben könne? 
„Sie waren unterwegs, um sich Arbeit zu suchen? Um 
diese Zeit? Es wird sich ja herausstellen,“ sagte der Ge— 
strenge kurz. 
„Herr Leutnant, ich weiß nicht, was ich davon denken 
soll,“ wandte Merk zaghaft ein. „Man wird mich doch nicht 
etwa in Verdacht haben —“ 
Er wurde sofort unterbrochen. „Warten Sie, bis Sie 
gefragt werden. Das ist nicht meine Sache. Ich bin be— 
auftragt, das niederzuschreiben, was Sie aussagen, das 
andere wird sich finden. Also —.“ 
Eine ganze Stunde lang dauerte die Aufnahme dieses 
Protokolls. Ob Merk gewußt habe von dem Verhältnis 
seiner Tochter zu dem Bankier? Ob er Herrn Rosenstiel 
persönlich gekannt habe, und ob er vielleicht irgend etwas 
von diesem gewünscht habe, ohne daß man es ihm bewilligt 
hätte? Der Eisendreher verneinte alles.“ Wovon er denn 
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