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Vierzehntes Kapitel

Full text: Die Verkommenen (Public Domain)

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kommen, die blaue Schürze mit modernem Stehktragen, 
schwarzseidener Halsbinde und goldener Uhrkette zu ver— 
tauschen. Er wollte ein Nachtlokal aufmachen, dessen Besuch 
immer am größten sein würde, wenn die soliden Lokale be— 
reits geschlossen hätten. Dann verzapfte man einfaches Bier 
in echten Flaschen und verdiente viel Geld. O, er kannte 
Berlin bei Nacht, er wußte, wie freudig die leichtsinnige 
Jugend noch in früher Morgenstunde Kneipen begrüßte, 
in denen sie bei einem „allerletzten Schoppen“ die schlechte 
Gesellschaft von Dirnen mit ihrem männlichen Schutz und 
allerlei katilinarischen Existenzen gern in den Kauf nahm. 
Es war natürlich, daß Herr Christoph Zipfel auch in 
seinem neuen Lokal auf den Besuch seiner bisherigen zahl⸗ 
reichen Freunde rechnete. Er nahm daher jede Gelegenheit 
wahr, Reklame für das neu zu eröffnende Lokal zu machen, 
wobei er das Wort „Restaurant“ mit Vorliebe gebrauchte. 
Er hatte sich bereits mehrere Hundert Geschäftskarten 
drucken lassen, und so ging er denn mit wichtiger Miene von 
einem Gast zum anderen, setzte sich auf ein paar Augenblicke 
zu ihm, legte ihm eine der großen, bunt gedruckten Karten 
vor und sagte dabei: „Wissen Sie schon? Von Neujahr 
ab — —. Stecken Sie gefälligst ein und vergessen Sie 
nicht, mich zu besuchen.“ Er klopfte ihm freundlich auf die 
Schultern und erhob sich dann, um bei einem Neueinge— 
tretenen dasselbe Manöver zu wiederholen. Und jeder— 
mann las: 
„Noen eroffnet! 
„Zum Fuchsbau.“ 
Interessantestos Restaurant der Residenz. 
Wahrond der ganzen Nacht gedffnet. 
Bedienung von zarter Hand. 
Wein und oechte Bioro. 
Grosase Friedrich-Strasse, am Oranienburger Thor. 
Inhaber: Ohristoph Zinftel. 
Cafetier und Oëkonom. 
Während Zipfel dann, hinter dem Ladentisch stehend, 
eine Weiße aufband, rief er hinüber: „He! Ist gut, was?
	        
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