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Dreizehntes Kapitel

Full text: Die Verkommenen (Public Domain)

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gelernt hatte und daß hinter dem anscheinenden Gentleman 
sich der Krämer verbarg. Durch seine Hände ging das Geld, 
er erledigte sämtliche Geschäfte, denn Tante Serene ver— 
traute ihm vollkommen. Es litt sie nicht länger mehr in den 
Räumen, in denen sie noch immer das Echo der abscheu⸗ 
lichen Hustenanfälle ihres verblichenen Gatten zu vernehmen 
glaubte. Sie bezog ihr Haus in der Friedrichstraße, um nun 
ihre Tage in der Ruhe und Muße einer reichen Frau Ren—⸗ 
tiere zu beschließen, immer von dem hohen Bewußtsein ge— 
tragen, in ihrem Neffen den Trost ihrer einsamen Tage zu 
haben. Wie klug er war, wie weise und berechnend. Er 
hatte Eigenschaften genug, um ihr die Bestätigung zu geben, 
daß sie ihr Vermögen an keinen Unwürdigen verschwende. 
Sie gab also das Geld zur Begründung des Bankgeschäfts. 
Felix hatte sich während der letzten Zeit sehr zu seinen 
Gunsten verändert. Er war stärker geworden und ein kleiner 
Schnurrbart und die Ansätze eines Backenbartes, der sich 
nach englischer Manier bis zur Mitte der Wange fortsetzte, 
gaben ihm ein männliches Aussehen, das ihm bisher ge— 
mangelt hatte. O, wie behaglich und mit welcher Seelen— 
ruhe rauchte er seine erste Zigarre im neuen Geschäfts— 
lokal Unter den Linden. Als er nach Vollendung der Ein— 
richtung in dem angenehm erwärmten Raum durch das 
GBlas der Ladentür auf die belebte Straße hinausblickte, 
hatte er das Gefühl, als müßte nun für ihn ein Leben be— 
ginnen, in dem die Geldfrage keine Rolle mehr spielte. 
Das gewünschte Coupé fehlte ihm allerdings noch, aber die 
Anschaffung desselben würde nach seiner Ansicht bevor⸗ 
stehen. Er engagierte sich auch einen jungen Mann, damit 
der „Herr Ches“ auch in der Tat vorhanden war. 
Das Geschäft machte sich ganz vortrefflich. Felix begann 
nur insofern unter einer Plage zu leiden, als schon in den 
ersten Tagen sich Herr Joachim Joachimsthal einstellte, um 
nach allen Regeln seiner unnachahmlichen Kunst eine „An⸗ 
pumpung“ vorzunehmen. Der große Journalist verstand 
es meisterhaft, jeder Ablehnung seines Gesuches mit dem 
Hinweis auf diverse, voraussichtliche Notizen in den Tages-
	        
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