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Zwölftes Kapitel

Full text: Die Verkommenen (Public Domain)

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die Summe vorstreckt. Mache ihm Versprechungen, — 
was du willst.“ Sie schluchzte weiter. 
Joachim führte den Befehl sofort aus. Die Leichen⸗ 
bittermiene, mit der er nach zehn Minuten zurückkehrte, 
sagte ihr alles. Herr Rentel vertraute dem Talent von 
Henry Grafen Palmaria für die Zukunft nicht mehr. Er 
habe heute gerade bedeutende Zahlungen zu leisten. 
„Dann fahre sofort zu Laibs. Du mußt Geld schaffen.“ 
Joachim verzog die Achseln. Er könne seiner Schwester 
nicht mehr das Messer an die Kehle setzen. Sie habe genug 
für die Manuskripte, die man niemals wiedergeholt, be— 
zahlt. Er schäme sich seiner Erpressungen. 
Madame Selma biß ins Taschentuch. Dieser Undank⸗ 
bare machte sie noch auf die Wertlosigkeit ihrer Geistes— 
kinder aufmerksam. Das war zu viel. Eine Flut von un⸗ 
zarten Außerungen entlud sich auf sein Haupt. Aber der 
wandelnde Joachim blieb noch immer Stoiker. Endlich 
blieb er stehen, warf einen blöden Blick auf seine Frau und 
sagte nur das Wort: „Freystätter —.“ 
Sie sprang auf. „Wa—as ?“ 
„Du schreibst an ihn, er gibt, ich weiß —.“ 
Sie wollte etwas von „schamlos“ sagen, aber sie senkte 
die Wimpern. Er setzte seinen alten Gang fort. Dann holte 
er aus dem Nebenzimmer Papier und Feder. 
„Wir schicken das Mädchen —““ Er sah plötzlich ganz 
energisch aus. 
Bis zur Mittagsstunde schwankte sie, dann wurde ihr 
ein Brief übergeben. Es war einer jener zierlich ausge— 
— 
Doktor Joachimsthal nebst Frau Gemahlin.“ 
Sie lächelte verächtlich. Dann suchte sie ihren Schreib⸗ 
XX 
„... Eine entsetzliche finanzielle Katastrophe be— 
droht uns. Sie werden mich noch nicht so weit vergessen 
haben, als daß Sie nicht meinem Wunsche nachkommen 
werden, wenn ich Sie bitte, mich heute nachmittag vier 
Uhr zu besuchen. Wir werden ungestört sein. Lassen Sie 
mich aber nicht länger warten.“ 8. J.“
	        
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