Path:
Zwölftes Kapitel

Full text: Die Verkommenen (Public Domain)

— 300 — 
leicht gleich ein paar tausend Mark mehr aufnehmen, mei—⸗ 
nen nicht auch ? Alte bezahlt ja doch alles, kenne gutes Herz 
von Mama.“ 
„So viel Sie wollen, lieber Freund. Ich bürge für Sie.“ 
Als der junge Offizier sich verabschiedet hatte, griff 
Felix zu Papier und Feder und schrieb an Onkel Joachim. 
Er würde ihn am anderen Tage vormittags in Begleitung 
eines „sehr vornehmen“ jungen Herrn besuchen, der gegen 
Wechsel Geld aufzunehmen wünsche, aber eines Vermitt⸗ 
lers bedürfe. Onkel Joachim möge zu Hause bleiben. Es 
sei bei der Geschichte etwas „ju machen“, denn man könne 
eine anständige Provision herausschlagen. 
Rosenstiel sah gar nicht ein, weshalb er Onkel Joachim 
bei der Angelegenheit nicht etwas verdienen lassen solle. 
Er hätte zwar mit Rollerfelde direkt zur Tante Serene 
fahren können, aber das hätte ihm allen Nimbus geraubt, 
wenn der junge Offizier das verwandtschaftliche Verhält— 
nis erraten hätte. So aber behielt die Angelegenheit ihren 
vornehmen und zu gleicher Zeit harmlosen Anstrich. 
Felix begann erst mit der Vorstellung: „Mein lieber 
Onkel, Herr Doktor Joachimsthal, Chefredakteur — Herr 
Baron von Rollerfelde.“ Dann wurde eine vortreffliche 
Komödie gespielt, in welcher der große Journalist zu einem 
devoten Diener wurde, von dessen Lippen die Worte „Herr 
Baron“ in kurzen Zwischenräumen flossen. Es sei ihm un⸗ 
gemein schmeichelhaft, daß man ihn mit einem so großen 
Vertrauen beehre. Sein lieber Neffe Felix habe ihm be— 
reits so Vortreffliches von seinem ausgezeichneten Freunde 
erzählt, daß es ihn aufrichtig freue, die Bekanntschaft des 
Herrn Baron zu machen. Wenn er jemand eine Gefällig— 
keit tun könne, so geschehe es herzlich gern. Wie er lebhaft 
bedaure, daß seine Mittel es ihm im Augenblick nicht ge— 
statteten, einem Freund seines Neffen aus der Verlegen— 
heit zu helfen! Fünftausend Mark? Heute noch? Hm, — 
das sei nicht so leicht getan wie gedacht. Sein lieber Neffe 
denke sich das so! Hm, hm —. 
Der große Mann ging mit düsteren Sorgenwolken auf
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.