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Zehntes Kapitel

Full text: Die Verkommenen (Public Domain)

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Schrijtsteller kennen zu lernen die Ehre hatte, die dazu ge⸗— 
schaffen schien, einem naiven Geiste den Glauben an diesen 
hohen Beruf zu nehmen. Da stellte sich zum Beispiel tag— 
täglich Herr „Doktor“ Dagobert Fisch ein, der unter dem 
hochklingenden Namen eines „Baron Konradin von Wer— 
denfelsen“ jahrein, jahraus jenen literarischen Bandwür— 
mern zu ihrem Dasein verhalf, die in Gestalt der bekannten 
Zehnpfennighefte in den seltensten Fällen ganz ihr Ende 
erreichen. Herr Dagobert Fisch war ein heruntergekomme— 
ner Philologe, dessen Kopf die seltene Form einer Birne 
zeigte; er war nur imstande, seine erhabensten Gedanken 
dem Papier anzuvertrauen, wenn zeitweilige Züge aus 
einer gewissen Flasche, der nie ein anderer Inhalt als Alko— 
hol zuteil wurde, ihm die nötige Inspiration verliehen 
hatte. In einer Entfernung von zehn Schritten bereits 
konnte man in ihm den Vorkämpfer für die allgemeinere 
Verbreitung der Destillationen erkennen. 
Herr Doktor Fisch (für die renommierte Firma Rentel 
arbeiteten nur „Doktoren“) wohnte nur in Schlafstelle, um 
das Volk genau zu studieren, wie er versicherte; sein Außeres 
machte stets den Eindruck, als wäre das Pseudonym,Baron 
Konradin von Werdenfelsen“ soeben, samt schwarzem Zy⸗ 
linder, Paletot und Beinkleidern, aus einem Bette aufge— 
standen, in dem die fliegenden Federn eine innige Zunei— 
gung für dunkle Kleidungsstücke fühlten. 
Der berühmse Romanfabrikant hatte, wie alle großen 
Männer, seine Eigenheiten und Schrullen, mit denen man 
rechnen mußte. Eine dieser Schrullen bestand darin, nur 
zu arbeiten, wenn der letzte Pfennig seines wöchentlichen 
Honorars (der berüchtigte Verfasser von: „Die Macht der 
Liebe, oder die Gefährnisse einer Unschuld in der Residenz“ 
arbeitete nur gegen Wochenlohn) dem Moloch, so man 
Spirituosen nennt, zum Opfer gefallen war; und zwar 
vermochte Herr Doktor Dagobert nur dann recht pro duktiv 
zu sein, wenn er hinter verschlossenen Türen saß, recte, 
wenn man ihn wie einen Gefangenen hinter Schloß und 
Riegel gebracht hatte.
	        
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