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telnäherin warf einen scheuen Blick auf Ida, die gebückt
das Geld einstrich; dann trat sie dicht an den Ladentisch
und holte unter ihrem Schaltuch ein kleines dunkles Päck—
chen hervor.
„Ach, bitte,“ flüsterte sie, aber doch so laut, daß Frau
Merk es hören konnte, „geben Sie mir auf dies Kinder—
jäckchen zwei Mark bis Sonnabend, es gehört meiner Marie,
sie soll es zum Sonnabend wieder haben.“
„Wir haben so viele Kindersachen, Moritz, gib nicht zu
viel, du weißt, es kauft niemand solches Zeug,“ ließ es sich
aus der Lücke zwischen den Spinden wieder vernehmen.
„Aber Frau Laib, ich lasse es nicht hier, ich hole es
bestimmt am Sonnabend, Sie können sich darauf verlassen.
Es ist das Einzige, was meine Marie noch des Sonntags
anzuziehen hat.“
Serenens Gatte hatte inzwischen unter fortwährendem
Hüsteln das Jäckchen genau besichtigt.
„Meine Frau hat recht,“ sagte er dann. „Wenn die
Sachen verfallen sind, bieten die Trödler ein paar Gro⸗
schen für so'n Ding, oder verlangen es als Zugabe, und
Sie wissen, Frau Schwarz, daß Sie nie etwas einlösen,
oder doch nur in den seltensten Fällen.“
„Mein Gott, weil man es nicht kann. Bei meinem
Verdienst ist niemals daran zu denken. Zum Leben ist es
zu wenig und zum Verhungern zu viel,“ warf die Mäntel—
näherin ein. Dieses Jäckchen aber werde sie bestimmt
nicht hier lassen. Es sei ihr schwer genug geworden, so
einem Kinde das Letzte zu nehmen, aber wenn man kein
Brot im Hause habe, dann greife man zum Außersten.
Man einigte sich dann auch. Flora bekam eine Mark
und fünfzig Pfennige auf die Platte gezählt. Das sei
gerade was Rechtes, meinte sie noch beim Gehen; dafür
kaufe sie Brot und Schmalz, dann habe die Herrlichkeit
wieder ein Ende.
Die Schwarz hatte der Merk bis jetzt immer noch nicht
ins Gesicht geblickt. Nun ging sie; hinter ihr folgte Ida
Als die beiden Frauen auf dem Flur waren, rief Frau