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Siebentes Kapitel

Full text: Die Verkommenen (Public Domain)

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ließ, als befände sie sich noch im Dienst und wäre durch 
ihre Herrschaft soeben vom Spülfaß abberufen worden. 
Alles das im Verein mit ihrem unschönen Gang, mit ihrer 
Vorliebe für Stirnlocken, für die bunteste Farbenzusammen⸗ 
stellung in ihrer Toilette, mit ihrem schlechten Deutsch und 
ihren gewöhnlichen Ausdrücken, machte sie für jeden emp⸗ 
findenden Mann zu einem abstoßenden Geschöpf, dem 
nie etwas von dem Begriff der Weiblichkeit bewußt ge— 
worden war. 
Es war nachmittags. Tante und Nichte hatten gerade 
die Kaffeekanne auf dem Tisch. Frau Knabe leitete sofort 
ihren Feldzugsplan mit jener Gastfreundschaft ein, die sich 
so oft bei Rosa bewährt hatte. 
„Du hast doch noch nicht Kaffee getrunken, mein Kind?“ 
Magda mußte verneinen, wenn sie nicht gerade lügen 
wollte. Gleich darauf stand denn auch eine dampfende 
Tasse vor ihr, und das schielende Weib hatte sie fast mit 
Gewalt auf einen Stuhl gedrückt. Merks Tochter war noch 
zu sehr Kind, um in dieser Einladung etwas anderes, als 
wirkliche, ungeheuchelte Freundlichkeit zu sehen. 
Magda ging es jetzt, wie es Rosa früher so oft erging. 
Sie hatte wirklich Hunger, und eine Tasse süßen Kaffees 
erschien ihr wie ꝛin Leckertrank. 
Sie verzehrte denn auch Kaffee und Butterbrot mit 
Appetit, und als Mutter Knabe mit den Worten: „Trink 
doch noch eine Tasse, nur nicht genieren, tue so, als wenn 
du hier zu Hause bist,“ die braune Kanne wieder zur Hand 
nahm, fühlte sich Magda bereits heimisch. 
Uud während sie die zweite Tasse schlürfte, glitt der 
schielende Blick Mutter Knabes über ihre Gestalt, über das 
volle, braune Haar und über das allerliebste, zarte Gesicht. 
„Was du fuür volle Flechten hast,“ sagte die Schenk⸗ 
mainsell und neigte sich mit ihrem bloßen Nacken zu ihr 
hinüber, so daß Magda ihren Atem spürte und vor Scham 
die Augen niederschiug. Dabei wurde sie über und über 
rot. Das alte Weib bemerkte das und wandte sich dann 
zu ihrer Nichte:
	        
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