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„J, Gott bewahre, ich müßte es doch sonst wissen.“
Die anderen stießen sich bedeutungsvoll an und zwinkerten
sich mit den Augen zu.
Merk war das eine Beruhigung. Im Augenblick ver—
gaß er die hinter ihm liegende Zeit und dachte jetzt nur noch
an die Zukunft.
„Na, denn Prosit auf dein Wohl! Laß die bösen
Tage zu allen Teufeln gehen!“ Jakob ergriff das Glas
und stieß mit ihm an.
„Prosit! Merk, auf dein Wohl! Na, und du, Kaul—
mann, auch dein Glas her.“
Merk konnte nicht mehr zurückstehen. Die aufrichtige
Teilnahme der Zechgesellschaft, die veränderte Stimmung,
die sich seiner bemächtigte, das innere Drängen, zu irgend
einem guten Freunde sein Herz ausschütten zu können,
das Bewußtsein, daß alles wohlauf und munter in seiner
Familie sei, die ganze, ihn wie ein Rausch in den Bann
nehmende Behaglichkeit eines erwärmten Zimmers in—
mitten guter Kameraden, der Mut, der ihn wieder beseelte,
mit doppelter Kraft den Kampf ums Dasein aufzunehmen,
— alles das vereinte sich in dem dampfenden Glase zu
einem Magnet, der Hand und Mund anzog.
„Prosit !“ stimmte er mit ein. Schon das erste Glas ver⸗
setzte ihn in eine andere Laune. Er könne doch jetzt wenig⸗
stens den Mund auftun, meinte Kaulmann zu dem Maurer.
Dann drang Jakob in Merk, etwas aus seiner Gefängnis—
zeit zum besten zu geben.
„Ach, laß doch, ich mag nicht mehr daran denken,“ gab
Merk zurück, während sein Gesicht sofort den alten, düstern
Anflug bekam. Am Ende, als Jakob durchaus nicht nach⸗
geben wollte, wurde Merk verdrießlich. Man solle ihn doch
jetzt wenigstens in dieser heiteren Stunde damit zufrieden
lassen.
Dabei griff er wieder zum Glas und trank übermaäßig
fchnell.
Die anderen meinten, Merk habe vollkommen recht,