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Siebentes Kapitel

Full text: Drei Weiber / Kretzer, Max (Public Domain)

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„Hier, hier — da schlägt's ehrlich!“ 
Seine Heuchelei war eine so vortreffliche, daß auch eine 
minder sentimentale Seele, als die Geheimrätin es war, von 
Mitleid für den reuigen Sünder gepackt worden wäre. Sie 
versprach ihm, in den nächsten Tagen schon an eine Beschäf— 
tigung für ihn zu denken, und klingelte wieder nach Minna, 
die nach einem großen Koffer, in welchem sich seit vielen 
Jahren ein Teil der Garderobe des verstorbenen Geheimrats 
noch befand, suchen sollte. Die dicke Köchin warf bei diesem 
Befehl dem Vagabunden einen tödlichen Blick zu, denn sie 
hatte immer gehofft, daß sie dereinst, wenn ihre Sparkassen— 
bücher sie endlich zu dem längst ersehnten Gatten verholfen 
haben würden, die Garderobe geschenkt bekommen werde. 
Ihr Groll war um so stärker, als seit einiger Zeit ein Gefreiter 
von den Ulanen sie ganz besonders mit seiner Gunst verfolgte 
und ihr unter heiligen Eiden versichert hatte, sie nach Be— 
endigung seiner Dienstzeit in den Stand der heiligen Ehe zu 
führen. 
„Das hat man für seine Treue, die ehrlichen Leute werden 
hintenangesetzt, und so ein gemeiner Visagenhecht wird in 
Watte gewickelt“, räsonnierte sie halblaut vor sich hin, als sie 
zur Küche zurückkehrte, um nach Laterne und Bodenschlüssel 
zu langen. 
Währenddessen hatte sich der Kommerzienrat im Neben— 
zimmer erhoben und war unhörbar in den Salon getreten. Da 
Frieda ihm den Rücken zukehrte, so konnte sie ihn nicht bemerken. 
Theobald Lux jedoch hatte ihn im Spiegel erblickt und fuhr 
nun wie der Blitz herum; dann wandte er wieder sein Gesicht 
dem Spiegel zu, um in der Entfernung den Armeelieferanten 
zu betrachten. Er mußte etwas Wunderliches an dem korpu— 
lenten Herrn entdeckt haben, denn seine hervorquellenden 
Augen schienen das Spiegelglas fast durchbohren zu wollen. 
Da Frieda nun ebenfalls ihren Liebhaber erblickte und ihr 
einfiel, daß sie in der Küche noch etwas anzuordnen hatte, so 
wollte sie sich mit einer Boshaftigkeit für den Schlaf des Fabri— 
lanten rächen. 
„Sie sind wohl so freundlich, Herr Wolfino, sich mit diesem
	        
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