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Sechstes Kapitel

Full text: Drei Weiber / Kretzer, Max (Public Domain)

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Der Kehle des Pianisten entrang sich ein leiser Schrei, dem 
die Worte folgten: „Wie dürfen Sie wagen, mich anzufassen.“ 
d Atem ging stoßweise, entsetzliche Qualen durchzogen seine 
rust. 
Den meisten Herren war die Szene äußerst peinlich. Einige 
don ihnen erhoben sich, um ihn in Güte zu ersuchen, der Auf⸗ 
sorderung des Vorsihenden nachzukommen. Da man ihn für 
betrunken hielt und als einen mit einem körperlichen Leiden 
behafteten Menschen betrachtete, so wollte man Rüchsicht üben. 
Jedoch war man allgemein der Ansicht, daß dem unliebsamen 
Auftritt ein Ende gemacht werden müsse. 
Paulus Liese überreichte die Mütze mit dem Gelde dem 
—öä 
chleppenden Ganges zu entfernen. Auf der Schwelle des 
Züfettzimmers drehte er sich wieder um, ergriff die Hand des 
Arbeiters, deutete mit ihr nach der Richtung, die er verlassen 
hatte und sagte laut und vernehmlich: 
„Dort steht der Herr Assessor Neukirch, der Verführer Ihrer 
Tochter!“ 
Was nun folgte, geschah in wenigen Augenblicken. Auf 
einen Wink des Vorsitzenden hatten Klubdiener und Kellner 
den Halberblindeten und seinen Genossen von hinten gepackt 
ind äußerst schnell durch die Vorzimmer nach dem Flur und 
on dort die Treppe hinuntergeschaffst. Hier gab man ihnen 
die Lehre, sich sofort zu entfernen, widrigenfalls die Polizei 
derufen werden würde. 
Die Klubgesellschaft war in eine Aufregung geraten, die 
elbst die Weistimmung nicht zu unterdrücken vermochte. Die 
Ansicht griff immer mehr um sich, es mit einem Verrückten 
u tun gehabt zu haben, der hin und wieder am delirium 
lremens leide. Das Hauptinteresse drehte sich um Neukirch, 
der wiederholt versicherte, das Opfer eines ganz gemeinen 
Zubenstreidds zu sein Er habe boher niemals die zweifelhafte 
— genossen, weder den Arbeiter, noch den Klavierspieler 
näher zu kennen, meinte er lachend. 
Da sich jedoch in der Gesellschaft Herren befanden, die das 
dusschweifende Leben des Assessors kannten, so kam heimlich
	        
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