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Viertes Kapitel

Full text: Drei Weiber / Kretzer, Max (Public Domain)

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Sie erhob sich auch, verdeckte ihm aber die Aussicht. Denn 
hatte ihre Stiefmutter erblickt, die sich im Rahmen der Tür 
eigte. 
Ein unbändiger Trotz überkam sie, die Flammen der Eifer— 
ucht und des Hasses loderten jäh in ihr empor und raubten 
ihr fast die Sinne, Ein Zittern fraß an ihren Gliedern, das 
die schlummernden Dämonen in ihrer Seele entfachte. Sie 
wollte beweisen, daß sie geben könne wie andere. 
„Nein, bleibe noch, Geliebter, auf wenige Minuten noch, 
mein süßer Bruno, du. Ich glaube dir ja, daß ich dir nur 
allein gehöre und daß du anderen nur heuchelst, dafür soll dir 
dereins alles gehören“ 
Sie warf sich ihm, so lang wie sie war, auf den Körper 
und drückte ihn leidenschaftlich auf den Sitz nieder, so daß ihm 
förmlich die Luft ausging. 
Er hatte Frieda gar nicht bemerlt. 
„Aber Fannh, wenn man das sieht!“ 
Es wurde ihm doch zu bunt, sich so am hellen Tage im 
Salon von ihr geliebt zu sehen. 
Sie wandte ihren Blick wieder nach der Tür und sah ihre 
Nebenbuhlerin nicht mehr Das machte sie plötlich vernünftig 
Und so erhob sie sich schnell fuhr mit der Hand über das noh 
immer glühende Gesicht und tat nun so, als erwachte sie aus 
einem Traum: „Was habe ich bloß getan! Verzeih mir, aber 
ich weiß selbst nicht, was mit mir vorging.“ 
Im Innern aber triumphierte sie, denn sie war zufrieden 
mit ihrem Spiel. Zuerst war sie allerdings nahe daran ge⸗ 
wesen, von ihrer wirklich zum Durchbruch kommenden Leiden- 
schaft für ihn mit fortgerissen zu werden. Der Anblick Friedas 
aber hatte sie sofort ernüchtert. Sie betrachtete die kleine 
Nomöbie als vortrefflich gelungen, denn sie hatte sich die 
erste Genugtuung verschaffi. 
Sie begann nun laut mit ihm über ein Künstleralbum zu 
prechen das Schwitzer ihr vor kurzem verehrt hatte, und er 
stimmte ebenso vernehmlich mit ein in die Unterhaltung. 
Als sie Margaretens Stimme nebenan vernahm, bat fie diese 
zu sich herein, um ihr ebenfalls das Geschent zu zeigen.
	        
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