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I. Teil V.

Full text: Wie Hilde Simon mit Gott und dem Teufel kämpfte / Landsberger, Artur (Public Domain)

den es Sie gekostet hat, doch nie in einem 
vernünftigen Verhältnis zu dem Gewinn stehen. 
Dann werden Sie wahrscheinlich Ihre besten 
Kräfte für eine von vornherein verlorene Sache 
vergeudet haben. Und wer weiß, ob Sie dann 
noch imstande sind, das Glück, um das Sie Ihr 
Gewissen jahrelang betrogen hat, in seiner 
ganzen Schönheit zu begreifen.“ 
„Also genießen ohne Maß und Überlegung ?“ 
sagte sie langsam und mit starker Betonung, 
mehr zu sich selbst und sah mit starren Augen 
vor sich auf den Tisch. Und leise setzte sie 
hinzu: „Wie Mama — ganz wie Mama — das 
also ist das Glück?!“ 
Helldorf hatte sie während der ganzen Zeit 
fest ins Auge gefaßt, hatte die Wirkung jedes 
seiner Worte, jede Veränderung ihrer Mienen 
genau verfolgt. 
Zweifellos war ihr nichts neu, was er sagte, 
sie stand vor der Entscheidung auch ohne ihn, 
und das nahm ihm das letzte Gefühl der Ver- 
antwortung, das an sich nicht gerade stark ent- 
wickelt war. Und meinte er es nicht ehrlich? 
Gewiß war seine Auffassung nicht die ihres 
Beichtvaters (er vergaß, daß sie Jüdin war), mo- 
ralischer als die ihrer Mutter wollte er sie schon 
gestalten. Und er holte zu dem entscheidenden 
Schlage aus. Er sagte weich, fast bittend: 
„Wenden Sie sich zu mir, Sie Liebes, Gutes! 
Und bitte, bitte, nicht so traurig. Sie haben 
mich völlig mißverstanden. Von einem Ge- 
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