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I. Teil V.

Full text: Wie Hilde Simon mit Gott und dem Teufel kämpfte / Landsberger, Artur (Public Domain)

Hilde, die auf einen Wink hin ihre Mutter 
bei der Placierung der Gäste unterstützt hatte, 
kehrte schleunigst zu ihrem Platz zurück. Ihr 
schien es ganz natürlich, daß gerade sie neben 
ihm saß. Als wäre diese Stunde seit Monaten 
zu einer Aussprache zwischen ihnen bestimmt 
gewesen, so sicher und selbstverständlich er- 
zählte sie ihm alles, was sie in letzter Zeit 
erwogen und erduldet hatte. Keinen Augen- 
blick kam ihr der Gedanke, daß sie ihn heute 
ja zum ersten Male sah. 
Er war ihr Freund, das fühlte sie, der mehr 
wußte und klüger war als sie und der ihr helfen 
wollte. Und als er ihr sagte, daß es nun aber 
ihre Pflicht sei, ihm in allem zu folgen, da er 
sie aus diesem Käfig heraus dem Leben zu- 
führen wolle, so willigte sie freudig ein. „Auf 
gute Freundschaft“ tranken sie, und sie ver- 
sprach, von nun an ihm „aber auch alles“ zu 
sagen. Und sie sagte ihm alles. 
Zum ersten Male in seinem Leben war Hell- 
dorf völlig erschüttert. Ihm hatte stets das Ver- 
ständnis für Menschen gefehlt, die Phantomen 
nachjagten und so zwischen Erfüllung und Ent- 
täuschung hin- und hergeworfen wurden, die 
sich mit einem großen Aufwand falscher, meist 
eingebildeter Gefühle von der Wirklichkeit ent- 
fernten und statt nüchtern zu rechnen und zu 
werten alle Dinge so sahen, wie sie für ihre 
Zwecke wünschenswert waren. 
Hier aber stand er vor einem Kinde von sech-
	        
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