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I. Teil V.

Full text: Wie Hilde Simon mit Gott und dem Teufel kämpfte / Landsberger, Artur (Public Domain)

„Du siehst sonst wie ein Kind aus“, meinte 
Frau Traute. „Aber meinetwegen laß dir die 
Haare in kleine Löckchen brennen, und Tizians 
Tochter des Roberto Strozzi ist fertig, bis ins 
kleinste Detail; selbst die Amorette fehlt nicht.“ 
Den Eindruck eines Kindes wollte Hilde nun 
ganz und gar nicht machen. War sie ent- 
schlossen, ohne Rücksicht auf das Urteil der 
Welt, sich die Erfahrungen zu sammeln, die es 
ihr möglich machten, auf die Frage nach dem 
Zweck des Lebens die richtige Antwort zu 
finden, ohne die sie nicht weiter konnte; wollte 
sie also alles wagen, um ein Glück zu finden, 
so durfte sie auch äußerlich nicht mehr als Kind 
erscheinen. 
Sie willigte daher auch ein, daß Frau Traute 
ihr zwei leichte goldene Spangen um die zarten 
Gelenke ihrer weißen Arme legte und die Finger 
mit schmalen Reifen schmückte, wodurch die 
Hände noch sanfter wirkten und an die Le- 
gende von den heiligen Lilien mahnten, die sich 
zu Händen bogen. 
Dieselbe Frau, die, wenn es sich um andere 
handelte, erlesenen Geschmack bewies, den eine 
gute Bildung unterstützte, zerstörte ihr eigenes 
Bild, indem sie sich maßlos mit Schmuck be- 
hing und dann wie die wandelnde Reklame 
eines Juweliers wirkte. 
RI
	        
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