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I. Teil V.

Full text: Wie Hilde Simon mit Gott und dem Teufel kämpfte / Landsberger, Artur (Public Domain)

brauchte in der Tat nicht gerade ein Friseur 
zu sein, selbst nicht ein derart mit Geschmack 
begabter, um diesem Urteil beizupflichten. Man 
konnte sie mit den verwöhnten Augen eines 
Künstlers messen, um hier des Schönen noch 
genug zu finden. ; 
Und jeder Künstler, der sie so sah in ihrer 
ersten schlanken Blüte, ganz in Weiß gekleidet, 
schuf sich als Hintergrund im Geiste einen 
dunkelgrünen Vorhang und sah Karls I. Töch- 
terchen Anna mit all den bestrickenden Reizen 
eines Kindes, die wir in den vielen Gruppen- 
porträts der kleinen Prinzessin von der Hand 
Anton van Dycks bewundern. 
Bis auf die Augen! Groß und braun störten 
sie mit ihrem bittenden, fast wehmütigen Blick 
das ruhige Gleichmaß;. und wie sie beständig 
so‘ in alle Tiefe träumten, glichen sie dem 
Kinde mit der Rose des Velasquez, der Fran- 
ziska oder Ignatia, dem einzigen Kinde spa- 
nischer Rasse. 
Noch war die Frage nach der Frisur zu 
lösen. Eine Aufgabe war’s, würdig, von einem 
Piero della Francesca oder Bellini gelöst zu 
werden. Hier war Frau Traute in ihrem Ele- 
ment, und sie entwickelte fieberhaft ihre Ideen, 
die ihr in der Erinnerung an schöne und be- 
rühmte Frauen durch den Kopf schossen. 
„Die Prinzessin Lamballe!“ rief sie, und ge- 
dachte des Versailler Bildes mit der hochstehen- 
den Frisur, das Haar oberhalb der Stirn flach 
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