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II. Teil III.

Full text: Wie Hilde Simon mit Gott und dem Teufel kämpfte / Landsberger, Artur (Public Domain)

in nervösen Zuckungen und starke Konvul- 
sionen durchzitterten, wie nach einem großen 
Schreck, ihren ganzen Körper. Alles an dieser 
Frau war in Bewegung. Sie begrüßte Hilde 
leidenschaftlich, riß sie an sich, küßte sie auf 
beide Wangen, nahm dann ihre Hand, die sie 
nicht mehr losließ. 
„Nun, meine Liebe, haben Sie das Fläschchen, 
das ich Ihnen gab, ...“ 
Hilde griff in die Tasche und zeigte ihr ein 
leeres Flakon, das ihr die Comtesse mit der 
Weisung gegeben hatte, den Inhalt eine Stunde 
bevor sie kam, um sie zu holen, in einem Zuge 
herunterzugießen, auch dann, wenn sie im 
ersten Augenblicke etwa Übelkeit verspürte. Es 
enthielt eine Mischung von Fledermausblut, 
Fünffingerkraut, Schirling, Mohn, Wolfsmilch 
und anderem und entwickelte, als Hilde den 
Porzellanstöpsel löste, einen so starken Geruch 
nach verwesten Leichen, daß sie das Flakon 
schleunigst wieder schloß, auf die Toilette eilte 
und dort den ganzen Inhalt in den Ablauf goß. 
Als Hilde der Comtesse jetzt das leere Fläsch- 
chen reichte und ihr vortäuschte, daß sie das 
Gift (denn etwas anderes konnte es nicht sein) 
genommen habe, bereitete ihr das Gefühl, mit 
dieser Lüge dem Teufel eine Freude zu machen, 
fast Vergnügen. Die Comtesse zog aus ihrem 
Pommpadour zwei gleiche Flakons hervor. 
„Ich nehme das vierte jetzt“, sagte sie. „Be- 
reits um acht Uhr früh habe ich das erste ge- 
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