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I. Teil V.

Full text: Wie Hilde Simon mit Gott und dem Teufel kämpfte / Landsberger, Artur (Public Domain)

„Er hat sich eben beizeiten herangemacht, 
ehe sie unter Menschen kam und andere Männer 
kennen lernte“, erklärte ein kleiner, untersetzter 
Assessor und Syndikus einer Berliner Groß- 
bank, Er sprach süddeutschen Dialekt, obschon 
er als Junge mit seiner Familie nach Berlin ge- 
kommen war, was nun schon über zwanzig 
Jahre zurücklag. Zweifellos war er der sorg- 
samst Gekleidete von allen, ein Muster guter 
Manieren, dabei bestimmt, ruhig und beschei- 
den. In ihm, das sah man ganz deutlich, war 
etwas von dem Geist des alten Herrn, Takt 
und vornehme Gesinnung, die man beim Nach- 
wuchs keineswegs mehr überall antraf. 
„Das ist der ganze Witz“, sagte ein Dritter. 
„Sie irren, meine Herren,“ — selbstgefällig 
klang’s und belustigt, — „meine Braut hat vor 
unserer offiziellen Verlobung drei Monate lang 
Gesellschaften besucht und ist während dieser 
Zeit mehr herumgekommen als andere junge 
Mädchen im ganzen Winter.“ 
„Vorher aber hatten Sie sie sicher. Das 
wußte jeder Mensch. Sie gingen daher auch 
überall mit ihr zu Tisch, und man hat mir er- 
zählt, daß Sie wie ein Falke über die Trägerin 
Ihrer Millionen gewacht haben.“ 
Jetzt verlor Freudenheim seine Sicherheit. 
Er reckte sich und schien sofort propor- 
tionierter, obschon das breite und volle Gesicht, 
in dem die dunklen, kleinen Augen wie schmale 
Risse lagen, nun noch widerwärtiger wirkte. 
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