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I. Teil V.

Full text: Wie Hilde Simon mit Gott und dem Teufel kämpfte / Landsberger, Artur (Public Domain)

rötend, hinzu: „Ich verstehe ja die Berliner 
Mädchen nicht.“ Er nahm die Zigarre aus dem 
Mund, schüttelte die Asche auf die Untertasse 
und beugte seinen Oberkörper leicht über den 
Tisch. „Die Hölderlins sind ja wohl die 
reichsten Leute in Berlin, noch über Mosse 
und Tiele Winkler. Das wären doch nun ‘mal 
endlich Mädchen, die nach ihrem Geschmack 
heiraten könnten oder die,“ und er richtete 
sich wieder auf, „was ich durchaus verstehe, 
wenn sie ehrgeizig sind, ’ne sogenannte große 
Partie machen könnten. Nicht etwa so’n fiesen 
adligen Kavalleristen aus der Provinz; ne, ich 
meine so ’was, wat in der Hofgesellschaft ’ne 
Rolle spielt, ’nen guten Uradel, dem nur die 
Millionen fehlen, um richtig repräsentieren zu 
können.“ 
Der, dem dies galt, saß frech und in über- 
ljegener Haltung da und fühlte nicht den Af- 
front, der in Helldorfs Worten lag. Er war 
stolz; denn aus der Rede spürte er nur heraus, 
daß er der Sieger war, der Sieger auf einem 
Terrain, dessen Lorbeeren eigentlich einem 
Vertreter des hohen Adels gehörten. — Und 
was gab’s denn außer dem hohen Adel anderes, 
was er den Millionen seiner eben 17 jährigen 
Braut gleichwertig zur Seite stellte? ; 
Noch unförmiger schien er, und seine auf- 
dringlich breite und protzige Art, die von ver- 
ständigen Juden nicht minder verurteilt wird 
als von Christen, wirkte abstoßend. 
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