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II. Teil II.

Full text: Wie Hilde Simon mit Gott und dem Teufel kämpfte / Landsberger, Artur (Public Domain)

„Madame meint,“ wandte sich die Comtesse 
mit einem Hinweis auf Hilde zu dem Abbe, 
„und mir scheint, sie hat nicht ganz unrecht, 
daß Ihr Vortrag heute mehr Historie als Re- 
ligion gewesen sei.“ 
„Den Vorwurf lasse ich gelten. Gewiß, aus 
dem was war, nicht wie die andern, aus dem 
was kommen soll und doch nie kommt, leiten 
wir unsern Glauben her.“ 
„Ich meinte damit, daß ich bei aller Aner- 
kennung des Tatsächlichen doch nicht recht 
etwas damit anfangen kann.“ 
„Sehen Sie“, sagte die Comtesse, und sah 
ihn vorwurfsvoll an. 
„Nun, ich leugne nicht, daß für Sonnen- 
wanderer unsere Kirche nicht zugeschnitten ist. 
Auch für den nicht, der sein Glück da sucht, 
wo es der Durchschnittseuropäer findet, der es 
für ausgeschlossen hält, daß es etwas gibt, 
was außerhalb seines Verstandes liegt und daher 
allem, was er nicht begreift, einfach die Exi- 
Stenz abspricht und auf alle Gläubigen wie auf 
geistige Trottel herabblickt.“ 
„Genau, wie ich soeben sagte“, unterbrach 
ihn Comte Baillot. „Für diese weitverbreitete 
Type der Geistesaristokraten, denen die Klänge 
Lehars vor Wonne den Bauch in Falten ziehen 
und sie auf Tage hinaus ihre Schmerzen 
vergessen lassen, taugt die Kirche freilich nicht, 
für die Chopin seine Sonaten schrieb. Wer 
aber angeekelt ist vom Leben, der findet bei 
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