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I. Teil II. Aus Hildes Tagebuch

Full text: Wie Hilde Simon mit Gott und dem Teufel kämpfte / Landsberger, Artur (Public Domain)

sammen seine Stelle bei uns angetreten hat, 
ließ vor Schreck, als er das hörte, die Braten- 
schüssel fallen. Mama bekam Weinkrämpfe 
und — o Wunder — das Hündchen wurde 
bissig und versetzte mir, der Fünfzehnjährigen, 
eine Tracht Prügel, worauf sich Mamas Wut 
von mir ab und dem Bären zuwandte, obgleich 
er doch eigentlich ganz recht und zum ersten 
Male innerlich meine Zustimmung hatte, wenn 
schon die Ohrfeigen mir galten. 
Mama aber schrie: „Ich lasse mein Kind 
nicht von dir Barbaren mißhandeln !“ 
„Ich halt’s nicht aus! Ich laufe davon!“ 
schrie er. 
Beide rannten im Zimmer umher, während 
Johann, der neue Diener, mit der leeren Schüssel 
hinausging. Ich folgte ihm, Nach einer halben 
Stunde saßen wir wieder friedlich beieinander. 
Mama bekam für die Ohrfeigen, die ich er- 
halten habe, zwei Perlen für ihr Kollier ver- 
sprochen. Mir schenkte er fünfzig Mark 
Schmerzensgeld, die ich in ihrer Gegenwart 
dem Diener überreichte, der vor Schreck zum 
zweiten Male die Schüssel fallen ließ und ent- 
lassen wurde. 
Ich bin zu jung und zu schwach, um. nicht 
von dem Trubel zu Hause mitgerissen zu 
werden. Mama 1äßt mich nicht aus den Augen 
und sorgt immer für eine neue Zerstreuung. 
Ich komme nicht zu mir selbst. Hin und wieder 
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