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I. Teil II. Aus Hildes Tagebuch

Full text: Wie Hilde Simon mit Gott und dem Teufel kämpfte / Landsberger, Artur (Public Domain)

deine noblen. Großeltern sich nicht um dich 
kümmern! Wenn du Pech hast, wirst du grau, 
ehe sie sterben und du zu deinem Gelde kommst. 
Dieser da aber ist ein Millionär, mit dem ich 
ein Haus machen und dich in die Gesellschaft 
einführen werde. Oder willst du die Frau des 
ersten besten Ladenschnösels werden?“ — Ja- 
wohl, Ladenschnösel sagte sie, ich habe es 
mir genau gemerkt, — dann heulte sie wieder. 
„Du Undankbare, für wen lebe ich denn noch, 
wenn nicht für dich? Die Rolle, die mir versagt 
war, sollst du spielen. Du bist doch das Einzige 
auf der Welt, was zu mir gehört.“ Und dabei 
riß sie mich an sich, daß mir alles weh tat. 
Ich empfand jetzt nichts für sie als den 
Wunsch, sie zu ärgern, denn ich glaubte ihr 
nicht und dachte: wie mit dem Amerikaner, so 
belügt sie mich auch hier wieder, Dabei sagte 
ich nur: „Um dir einen Salon zu machen, hei- 
ratest du diesen Behr; richte ihn lieber ab und 
verwende ihn in einem Zirkus.“ 
Es folgten die üblichen Szenen, die auch ihr 
Gutes haben; denn morgen liegt Mama zu Bett, 
Miß kann in Ruhe ihre Briefe schreiben — es 
hat, scheint’s, noch immer kein Dummer an- 
gebissen — und ich kann, ohne gestört zu 
werden, in Mamas Büchern lesen. 
Bei der ewigen Unruhe und den vielen Be- 
suchen bin ich mit Zola noch immer nicht zu 
Ende. Meine Lehrerin ist außer sich, daß ich 
Wedekinds „Frühlingserwachen‘“ gelesen habe.
	        
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