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I. Teil V.

Full text: Wie Hilde Simon mit Gott und dem Teufel kämpfte / Landsberger, Artur (Public Domain)

das nächste Mal görig wie ein unerzogener 
Backfisch.‘“ 
Sie vergaß, daß ich eben fünfzehn Jahre alt 
geworden war. 
Ich wollte erwidern: Du bist einen Tag zu 
mir wie eine gute Mutter und benimmst dich 
wie eine anständige Frau, und am nächsten 
schimpfst du wie eine Kokotte und willst 
nichts von mir wissen. Ich unterließ es aber, 
nicht, weil ich einen Anfall bei ihr befürchtete, 
das wäre mir gleich gewesen; ich war vielmehr 
neugierig zu hören, was sie von mir wollte. 
„Ich will verständig sein, Mama“, und ich 
nahm ihre Hand. Sie ist mit Liebe von meiner 
Seite nicht gerade verwöhnt, war daher sehr 
dankbar und küßte mich, um dann zu weinen. 
Möglich, daß es diesmal echt war. Möglich! 
Aber wie dumm! Sie verscherzte sich meine 
Sympathie, indem sie damit begann, auf Papa 
zu schimpfen, und nun das Beste! Sie suchte 
diesen krummbeinigen Narren gegen Papa aus- 
zuspielen! Er wäre die Güte selbst, nur gesell- 
schaftlich ungewandt, verstände sich vielleicht 
nicht zu kleiden und habe keine Manieren, 
auch keine Bildung. 
Ich unterbrach: „Sag’s doch schon gleich, 
daß er ein Idiot ist.“ 
Damit war der Friede gebrochen. „Du un- 
dankbares Kind!“ schrie sie, „deinetwegen hei- 
rate ich diesen ungehobelten Proleten, weil dein 
Vater nichts als Schulden hinterlassen hat und 
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