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I. Teil II. Aus Hildes Tagebuch

Full text: Wie Hilde Simon mit Gott und dem Teufel kämpfte / Landsberger, Artur (Public Domain)

um Mama und ihren Kram bekümmert. Das 
viele Alleinsein war ja gewiß oft traurig, und 
ich habe wohl auch mehr geweint als jetzt. 
Aber mir scheint, als habe das alles doch 
wenigstens einen Sinn, als läge weit hinter all 
der Traurigkeit das Glück. Als wolle das 
Schwere erst überwunden sein. — Nicht heute 
und auch nicht morgen. Papa sollte mir den 
Weg weisen und mich davor schützen, daß 
ich oberflächlich würde. Ich war zu jung, als 
er starb, Konnte ihn immer nur halb verstehen. 
Nie ganz begreifen, wenn er sagte: „Man muß 
um des Lebens Deutung ringen und an dem 
Leben verzagen; erst wenn man das über- 
wunden hat, ist ein Glück möglich, das Be- 
stand hat.‘ 
So hat er oft gesagt, und ich habe es aufge- 
schrieben, um es zu merken. Vielleicht, daß 
ich es später verstehe, wenn es dann noch Zeit 
ist. Aber ich fühle, wie unsicher ich jetzt schon 
bin. Tagelang tolle ich mit Mama und den 
andern herum, ohne überhaupt an ihn zu 
denken. 
Ich will ja dagegen kämpfen, so gut ich’s 
vermag, aber wenn ich unterliege? Himmel, 
wie stehe ich dann vor dir da, Vater? 
Woaolltest du, daß ich würde, wie du es 
wünschtest, warum verließest du mich dann so 
früh schon? Warum sorgtest du dann nicht 
wenigstens dafür, daß jemand um mich blieb, 
der in deinem Sinne auf mich wirkte? Ich bin 
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