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I. Teil XVII.

Full text: Wie Hilde Simon mit Gott und dem Teufel kämpfte / Landsberger, Artur (Public Domain)

über. Und sie wiederum lehnte jede Beschäf- 
tigung mit philosophischen Dingen ab, ob- 
schon sie wußte, daß sie ihm lieb waren, allein 
durch das, was er ihnen verdankte. Sie freilich 
sah gerade darin die Schwäche seines Glaubens. 
Wenn also weder unser Glaube noch unsere 
Leidenschaften uns zusammenführen — denn 
ihm war die Philosophie so gewiß eine Leiden- 
schaft, wie ihr die Kunst — was konnte es 
da noch für einen andern Zusammenhang 
geben, fragte er sich, als — die Liebe? 
„Himmlischer Vater!“ rief er und stürzte auf 
die Knie, als er diesen furchtbaren Gedanken 
zu Ende gedacht hatte. 
„Darum also schließe ich diese Hilde selbst 
in meine kürzesten Gebete ein! Darum ist mein 
erster Gedanke nach dem Gebet am Morgen: 
wird Hilde heute kommen? Darum wünsche 
ich immer, sie säße während des Unterrichts 
meiner Jungen neben mir und sähe mein Be- 
mühen, Freude und Sonne in die jungen Herzen 
zu legen. Darum lausche ich im Beichtstuhl 
jetzt auf die Stimmen ...“ Sein Stolz lehnte 
sich gegen diese Gedanken auf, und er suchte 
sich zum Widerspruch zu zwingen. „Nein! 
nein! es war nicht so!“ er übertrieb. Ins Maß- 
lose. — Gewiß, er betete für sie. Aber war es 
denn nicht seine Pflicht als Lehrer und Priester, 
für diese Hilde, die jung so schwer schon rang, 
die Gnade Gottes zu erflehen? 
Und warum wünschte er denn, sie möchte 
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