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I. Teil II. Aus Hildes Tagebuch

Full text: Wie Hilde Simon mit Gott und dem Teufel kämpfte / Landsberger, Artur (Public Domain)

Die Position des ekligen Amerikaners ist er- 
schüttert, sagt Emma. Mama hat heute zum 
ersten Male über zwei Stunden lang mit mir 
so zärtlich gesprochen, daß ich ihr um den 
Hals fallen und sie küssen mußte. Sie gibt 
den Amerikaner auf, weil er mich nicht leiden 
mag. Dabei hat er Millionen, und ich weiß, 
daß Mama Geld fast so sehr liebt wie ihre 
Brillanten. Und heiraten wollte er sie auch. 
Aber nur, wenn ich in eine Pension gesteckt 
würde. Das wäre mir schon recht. Aber Mama 
meint, da bekomme man ansteckende Krank- 
heiten und müßte den ganzen Tag mit „Bisses‘“ 
zusammensitzen. Bisses sind gewöhnliche Men- 
schen, die nie eine Rolle im Leben spielen, weil 
sie keine Manieren haben und die Moral für 
eine Tugend halten. Und eine Rolle im Leben 
zu spielen, sei die Hauptsache. So erklärt’s 
Mama, Emma sagt, Bisses seien Juden, Woher 
soll Emma das aber wissen? Sie stammt aus 
einem Dorfe, in dem kein einziger Jude wohnt. 
Jedenfalls wäre ich sehr gern in eine Pension 
gegangen. Vielleicht hätte ich dort eine Freun- 
din gefunden. Meinetwegen könnte es auch 
eine Bisse sein. Aber daß Mama den Ameri- 
kaner meinetwegen aufgibt, finde ich rührend. 
Und wenn ich lange darüber nachdenke, dann 
meine ich, sie muß mich wohl doch sehr lieb 
haben. 
S)
	        
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