Path:
I. Teil II. Aus Hildes Tagebuch

Full text: Wie Hilde Simon mit Gott und dem Teufel kämpfte / Landsberger, Artur (Public Domain)

mir zu, das kleine Judenmädchen zu heiraten.“ 
Er gab ihm die Hand. „Sie sind wahrhaftig 
jroßartig, Herr Helldorf.“ 
Als Helldorf draußen war, grinste er noch 
immer. 
„Ha, ha, ausgezeichnet! Das muß ich meinem 
Onkel schreiben, der lacht sich tot.“ 
STIL. 
+ 
48m 
Hilde konnte zunächst keinen Gedanken 
fassen. Sie hatte das Gefühl vollständiger Leere, 
Auch ihr Herz, das auf alle Eindrücke, gute 
wie böse, stärker als sie es selbst wohl 
wünschte, reagierte, blieb teilnahmslos. Als 
hätte. ein Feuer, vom Sturme getragen, in ihr 
gerast und alles Leben in ihr von Grund aus 
vernichtet und jedes Gefühl für immer erstickt, 
— so öde und leer war alles in ihr. 
Sonst, wenn sie traurig war, fühlte sie das 
Bedürfnis, sich aufzurichten, und empfand es 
schwer, daß sie niemand hatte, zu dem sie 
flüchten, bei dem sie sich erleichtern konnte. 
In der Erinnerung an den Vater, der wie ein 
Heiliger als der große Dulder in ihr fortlebte, 
war ihr Herz immer wieder zur Ruhe ge- 
kommen. Nichts von allem bewegte sie heute. 
Und hätte sie Freunde besessen, denen sie 
trauen durfte, und die alle Schmerzen, an denen 
sie je litt, verstanden, sie wäre für sich ge- 
blieben. Auch die Gedanken, die sie zum Vater 
228
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.