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I. Teil X.

Full text: Wie Hilde Simon mit Gott und dem Teufel kämpfte / Landsberger, Artur (Public Domain)

hätte, durch ihren Schwiegersohn gesellschaft- 
lich eine oder mehrere Stufen aufzurücken. 
Weißt Du nicht jemanden? Ich habe schon an 
den Grafen Arenstorff gedacht. Den müßte man 
möglicherweise aber, bis nach ‚der Hochzeit 
wenigstens, im unklaren lassen. Der Junge 
hält auf Form und würde. uns sehr gekränkt 
erklären: warum mußtet .ihr mir das vor. der 
Ehe sagen? War es nicht Zeit, wenn ich es 
nach der Hochzeit erfuhr? Jetzt darf ich nicht 
mehr. — Du kennst ihn ja und wirst mir bei- 
pflichten. 
Bei Hildes Drang zur Wahrheit, den ich bis- 
her aussichtslos bekämpfte, ist aber zu be- 
fürchten, daß sie mit „dieser Lüge“, wie sie es 
pathetisch nennt, „nicht in die Ehe gehen“ 
würde. Und da sie unglückseligerweise logisch 
denkt (die erste Frau übrigens mit diesem Ge- 
brechen, die mir begegnet), so muß ich diese 
edle Regung gutheißen. Denn als ihr Lehr- 
meister und Vertrauensmann, der ich auch 
heute noch mehr als ihr Geliebter bin, und als 
der ich im Schweiße meines Angesichts mich 
mühe, meine Autorität zu wahren, kann ich ihr 
diese Ehe schwer plausibel machen. 
Der Schwerpunkt liegt aber darin: obgleich 
weder ich noch Hilde das Wort Ehe jemals 
ausgesprochen haben, so nimmt sie doch als 
selbstverständlich an, daß ich sie heirate. Und 
auf welche Weise ich ihr beibringen werde, 
daß ich mich nach langer Selbstprüfung nicht 
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