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I. Teil IX.

Full text: Wie Hilde Simon mit Gott und dem Teufel kämpfte / Landsberger, Artur (Public Domain)

stunde war, die Einrichtung und Kunstgegen- 
stände der Wohnung. 
Hilde gab dem Herrenzimmer den Vorzug, 
das nach Entwurf Bruno Pauls in dunkel- 
gebeizter Eiche mit schwarzen Lederbezügen 
ausgeführt war. In die Sofaecke dieses Raumes 
wurde der Teetisch getragen. Man betrachtete 
eine Prutschersche Standuhr aus Thujaholz mit 
Bux- und Ebenholz-Intarsiatstreifen ; das Ziffer- 
blatt und der Pendel in Silber mit Emaille; eine 
reichgeschnitzte Truhe in süddeutscher Renais- 
sance, auf der eine Salome von Joseph Vier- 
thaler stand, und neben ihr das Meisterstück 
eines unbekannten Künstlers, welches aus der 
zweiten Hälfte des dreizehnten Jahrhunderts 
eine vollendete Nachbildung der Stifter-Figur 
der Kaiserin Adelheid im Chore des Domes zu 
Meissen darstellte. Hilde war von der Anmut 
dieses Kunstwerks, der koketten Grazie, mit der 
die schmale Hand die Tasselschnur berührte, 
ergriffen. Sie bewunderte die Nusche, die hier 
schon nicht mehr das „Gold vor den Brüsten“, 
wie sie es aus dem Nibelungenlied her kannte, 
vielmehr schon eine Bratsche war. Und ihr 
angeborener Sinn für Form und Farbe zauberte 
der jungen Schwärmerin Nuschen und Für- 
spane in allen Formen und Farben vor. Sie er- 
kannte in dem gegenüberliegenden Schrank, 
ohne etwas von englischer Renaissance zu 
wissen, den Abklatsch eines Originals, das sie 
als Zwölfjährige nur flüchtig im South Kensing- 
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