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I. Teil VIII.

Full text: Wie Hilde Simon mit Gott und dem Teufel kämpfte / Landsberger, Artur (Public Domain)

verrät. Merken Sie ihr an, daß ihr die Sünde 
nicht von außen durchs Leben überkommen 
ist? Daß diese Verderbtheit in ihr steckte, längst 
ehe der Geschlechtstrieb bei ihr erwachte? Daß 
ihr Körper in einem verrufenen Leibe erzeugt 
und ehe er zur Welt kam, schon von einer 
Stätte des Lasters zur andern geschleift wurde? 
Und so trägt denn auch jede Linie deutlich die 
Spuren vollkommenster Verderbtheit an sich. 
Zerlegen Sie diesen Körper. Betrachten Sie 
den Fuß, den Arm, die Schenkel, gesondert 
jedes, und Sie wissen genau, daß es die Körper- 
teile eines durch und durch lasterhaften Weibes 
sind. 
Wo in den vollendetsten Blättern Japans 
finden Sie wieder Linien von ähnlicher Aus- 
drucksfähigkeit und doch dabei völlig absichts- 
los? Wo auf langen Seiten eines Dichters aus- 
gedrückt, was in diesem Blatte liegt? Regungen 
und Gebärden, die unwillkürlich erfolgen, und 
die wir im Augenblick des Geschehens an uns 
selbst nicht wahrnehmen oder, als selbstver- 
ständlich, gar nebensächlich betrachten, sind 
ihm das Wesenartige unserer Menschennatur; 
er fängt sie auf und zeigt uns dann ihre fabel- 
hafte Bedeutung. Rilke hat schon recht, wenn 
er sagt: Das Äußerste von Lieben und Leiden 
und Trostlos- und Seligsein geht von ihnen 
aus. 
„Rodin selbst weiß,“ erwiderte Dr. Feld, „wie 
wenig man mit seinen Zeichnungen anzufangen 
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