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I. Teil XII.

Full text: Wie Hilde Simon mit Gott und dem Teufel kämpfte / Landsberger, Artur (Public Domain)

meine ich, daß, wenn die Kunst in den höheren 
Schulen obligatorisch würde, zunächst natür- 
lich ein Wettrennen unter den Oberlehrern be- 
gönne, indem jeder eine Grammatik der Kunst 
schriebe. Die gesamte Kunst würde in einige 
tausend Lehrsätze zerlegt werden, die die armen 
Sekundaner auswendig zu lernen hätten. Es 
würde ganz bestimmt sehr bald eine regelmäßige, 
eine unregelmäßige und eine verbotene Kunst 
geben. Die unregelmäßige wäre natürlich der 
Liebling der Herren Professoren, wie sie der 
Schrecken aller Schüler wäre. Und wenn Sie 
mit Ihrem Sohne nach dem Abitur nach Italien 
oder Spanien fahren, dann wird er an der Hand 
der 3000 auswendig gelernten Lehrsätze Ihnen 
bei jedem Bilde unfehlbar sagen können, ob 
es in das Gebiet der regelmäßigen oder ver- 
botenen Kunst gehört. — 
Natürlich ist es möglich, daß die Herren auch 
andere Einteilungen finden. Aber worauf es an- 
kommt, ist der Sinn der Sätze; und darin irre ich 
mich nicht, seien Sie versichert! 
Es wird dann endlich einmal Ordnung und 
möglichst auch ein königlich preußischer Geist 
in die Kunst aller Zeiten und Völker kommen. 
Die verbotene Kunst wird allmählich durch kö- 
nigliche Kabinettsorder abgeschafft und ihre 
Pflege unter Strafe gestellt, und ein königlich 
preußischer Kanzleirat wird endlich, ohne Scha- 
den ‘an Geist und Seele zu nehmen, in der 
Lage Sein, sich mit der Kunst zu beschäftigen 
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