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I. Teil VIII.

Full text: Wie Hilde Simon mit Gott und dem Teufel kämpfte / Landsberger, Artur (Public Domain)

können keinen Ingres von einem Ribera unter- 
scheiden.“ 
May winkte mit beiden Händen, deren starkes 
Zittern trotz ihrer lebhaften Bewegung deutlich 
war, mit aller Bestimmtheit ab. 
„Lassen Sie! Lassen Sie die Kunst nicht in 
die Schulen dringen! Der Himmel bewahre uns 
davor, daß man uns auch die Freude an dem 
einzigen, was das Leben später noch wertvoll 
macht, auch schon, wie so vieles andere, in der 
Schule verkümmert. — Entsetzlicher Gedanke !“ 
— Und er erregte sich ordentlich. — „Denken 
Sie doch, wie es in so einem Philologen aus- 
sieht, der sein Leben lang in den unregel- 
mäßigen Verben auf w und dem Accusativus 
graecus die erlesenste Schöpfung menschlichen 
Geistes erblickt hat — was soll der seinen 
Schülern wohl von dem Genius eines Goya, 
des prachtvollsten Kerls aller Zeiten, was von 
Rembrandt oder gar von Rops erzählen ? — — — 
Na, hören Sie auf, es wäre geradezu ein Frevel! 
— Eine grammatikalische Kunst hieße das 
schaffen, und es wäre der grausigste aller 
Morde, die ich mir denken kann, wenn so früh 
schon das bißchen Liebe zur Kunst, mit dem 
wohl jeder Mensch zur Welt kommt, getötet 
würde. Das tut das Leben später schon zur 
Genüge — leider! — Und fast ausnahmslos.“ 
„Was meinen Sie mit der grammatikalischen 
Kunst?“ fragte Dr. Feld. 
„Wie ich es sage: sprachkundlich. Damit 
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