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I. Teil VII.

Full text: Wie Hilde Simon mit Gott und dem Teufel kämpfte / Landsberger, Artur (Public Domain)

ständigerweise gilt als moralisch. Du kannst 
tausend Geschehnisse, ohne Personen, Motive, 
Begleitumstände auch nur zu erwähnen, an- 
führen und jeder wird dir im Augenblicke 
sagen: das ist moralisch, das ist unmoralisch.“ 
„Na, na, du übertreibst.“ 
„Absolut nicht. Die heutige Moral ist nichts 
weiter als ein Komplex von konkreten Dingen. 
Ich hätte nicht übel Lust, ein lückenloses Le- 
xikon der Moral herauszugeben. Ich könnte 
dir bis in die Nacht hinein Beispiele nennen, 
die es beweisen.“ 
„Tue das nicht“, wehrte Helldorf ab. 
„Also geben wir es auf. Lassen wir es dahin- 
gestellt, ob du unter allen Umständen recht 
hast, wenn du sagst: es ist zwar keine Ent- 
würdigung dieses Hummers, wenn ich während 
des Verzehrens dir Raffaels Kunst in großen 
Linien schildere; aber es ist wohl eine Ent- 
würdigung Raffaels, wenn ich dir von seiner 
Kunst erzähle und dabei Hummerbeine lutsche.“ 
Helldorf dauerte das alles viel zu lange. Er 
bedauerte längst, hierhergekommen zu sein, an- 
statt sich für eine Mark ein Buch über Raffael 
gekauft zu haben. 
„Also, bitte, bitte“, sagte er endlich ziemlich 
verzweifelt und sah nach der Uhr. „Kehren 
wir endlich in die Welt der Tatsachen zurück. 
Du verwirrst mich völlig und sagst mir nichts, 
was ich gebrauchen kann. Also höre: In einer 
Stunde kommt ein sechzehnjähriges Mädchen 
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