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I. Teil I.

Full text: Wie Hilde Simon mit Gott und dem Teufel kämpfte / Landsberger, Artur (Public Domain)

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„Der Mensch ist das ein- 
zige Geschöpf, das erzogen 
werden muß“. Kant. 
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Als am Abend das Licht in ihrem Zimmer 
gelöscht und die Zofe eingeschlafen war, stand 
Hilde behutsam auf und schlich in ihrem 
leichten Hemdchen, ohne Schuhe und Strümpfe 
an den Füßen, den Korridor entlang zur Tür 
ihres Vaters, Sie sah durch die Scheiben den 
leichten Schimmer eines Lichts und öffnete 
leise die Tür. 
Der Vater richtete sich im Bette auf, und ent- 
Setzt blieb das Kind in der Tür stehen. Wie 
lange war sie krank gewesen, daß der Vater 
sich so verändern konnte? Die Augen lagen 
weit zurück und waren tiefschwarz umrändert. 
Blaß war er immer gewesen, aber jetzt war 
seine Farbe grau und fahl wie die eines Toten; 
das Gesicht war eingefallen, und seine schmalen 
Hände, auf denen die blauen Adern wie Kirsch- 
saft auf weißem Linnen lagen, schienen ohne 
Kraft wie die knochigen Arme, die das Hemd 
nur knapp über die Ellbogen bedeckte, 
Mit starren Augen sah er unbeweglich zu ihr 
hinüber, Er überzeugte sich, daß sie es dies- 
mal wirklich war und nicht wieder, wie schon 
50 oft, eine im Fieber erregte Erscheinung. 
Dann streckte er mit aller Kraft seine beiden
	        
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