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I. Teil II. Aus Hildes Tagebuch

Full text: Wie Hilde Simon mit Gott und dem Teufel kämpfte / Landsberger, Artur (Public Domain)

mußte sie den Weg gehen, schnell und ent- 
schlossen. 
Gewiß, all die andern, die, ohne zu denken 
dahinlebten, kamen nur selten in einen Kon- 
flikt mit ihrem Gewissen. Wohl mochten auch 
sie hin und wieder an den Erscheinungen, die 
das Leben spiegelte, herumdeuten und sie nach 
ihrem Geschmack, ihren Stimmungen und 
Rücksichten — nach diesen vornehmlich! — 
dann und wann auch selbst zu gestalten suchen. 
Aber sicher kam ihnen nie der Gedanke, nach 
dem Grunde dieser Erscheinungen zu forschen 
und sich an den Erfahrungen selbst zu bilden. 
Immer wurden sie nach den Bedürfnissen ge- 
wertet. 
Als Hilde ihm diese Gedanken, die sie fort- 
gesetzt beschäftigten, entwickelte, da freilich 
schien es ihr zum ersten Male, als klängen die 
Worte kalt und leer, als wüßte ihr Herz nichts 
von diesen ernsten Dingen, die ihr Mund 
sprach. Als wären es zwei verschiedene Men- 
schen, die da lebten. 
Als Last empfand sie hier zum ersten Male, 
was sie emsig, fast stolz in Jahren aufgebaut, 
immer fester gefügt und wie den Urquell, aus 
dem ihr alles Leben fließen sollte, gehütet hatte. 
Und diese Last beschwerte sie. Wie an einem 
milden Frühlingsmorgen lag es heut in ihren 
Gliedern; ihr war’s, als spanne sich ihre Brust 
weiter, als ginge ihr Atem freier; als könnte 
sie jetzt glücklich sein, wenn ‚sie nie die 
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