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Full text: Die blaue Laterne / Lindau, Paul (Public Domain)

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Sie sind ein junges Mädchen, Sie sind ein kluges Mäd— 
chen, und sie haben den sogenannten göttlichen Funken! 
Ihre Begeisterung über die heutige Vorstellung im 
Altonaer Theater ist mir gleich aufgefallen. Ich habe 
mir gesagt: hinter dem Mädel steckt etwas, und wissen 
Sie, ich habe eine feine Nase.“ 
Rosi lächelte. „Davon hättest du nicht zu sprechen 
brauchen.“ 
„Ich spreche bildlich,“ fuhr Schweydam fort, ohne 
aus dem würdevollen Tone zu fallen, den er an— 
geschlagen hatte. „Sie haben eine sehr hübsche Stimme, 
und Sie sind musikalisch. Darauf verstehe ich mich 
einigermaßen. An Ihrer Stelle würde ich mich nicht 
einen Augenblick besinnen, Ihr langweiliges Geschäft 
aufzugeben. Sie sollten guten Mutes zur Bühne gehen. 
Ich selbst würde Ihnen den Weg dazu bahnen. Sie 
müssen ja natürlich noch lernen und können nur klein 
anfangen. Wenn Sie wollen, spreche ich mit dem Chef. 
Er gibt etwas auf meine Empfehlung, und wenn ich 
ihm sage, daß ich Sie vorbeteiten werde, wird er zu— 
greifen. So viel wie in Ihrem Wäschegeschäft werden 
Sie bei uns auch' verdienen. .. Was meinen Sie? 
Soll ich mit Herrn Waldlack sprechen?“ 
Sabine war von dem Antrage so bestürzt, daß sie 
zunächst keine Antwort finden konnte. Endlich sagte 
sie: „Wenn Sie wirklichglauben ... Ich möchte es 
ja schrecklich gern!“ 
In der Mittagsstunde des nächsten Tages wurde 
Sabine von Schweydam dem Direktor des Grand 
Eldorado⸗Theaters, Herrn Waldlack, vorgestellt und mit 
Lindau, Die blaue Laterne
	        
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