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Full text: Die blaue Laterne / Lindau, Paul (Public Domain)

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ins Menschliche. Hatte man aber den unangenehmen 
Eindruck des Plattgedrückten einmal überwunden, so 
konnte das unschön modellierte, fleischige, gemütliche 
Gesicht sogar sympathisch berühren. Für sein Auf— 
treten auf den Brettern hinter der Rampe verstand er 
es aber, den bedauerlichen matürlichen Mangel durch 
rünstlichen Ersatz zu verdecken. Erx klebte sich jeden 
Abend eine schöne Nase, je nach seiner Stimmung, än 
der vornehmen Geradlinigkeit des Hermes oder im 
kühnen Schwiuige der römischen Cäsaren. Sein monat⸗ 
licher Verbrauch an Mastix war so erheblich, daß er bei 
Herrn Waldlack um einen kleinen Zuschuß zur Gage 
einkam, der vom kunstsinnigen Befitzer des Lokales auch 
bewilligt wurde. 
Er gab etwas auf seine Kleidung. Alles war wohl⸗ 
bedacht. Am Vormittag auf den Proben erschien er 
als schlichter Werkeltagsmensch, am Abend zog er der 
Kunst zu Ehren den Feiertagsmenschen an. In der 
einen wie der andexen Tracht trug er mit Stolz unver⸗ 
kennbar die Kokarde seines Komödiantenberufs. 
In der Auffindung gewisser unwahrscheinlicher 
karierter Stoffe, die er für den Vormittagsanzug be— 
vorzugte, stand er einzig da. Seine Beinkleider waren 
in eigentümlicher Art, ähnlich denen der französischen 
Offiziere, geschnitten, oben bauschig und weit, nach— 
unten zu sich verjüngend, und an den Knöcheln knapp 
anjchließend. Das Jacket war ungewöhnlich kurz, in 
dex richtigen Bedeutung des Wortes: eine kleine Jacke. 
Aus der sehr tief ausgeschnittenen Weste quoll un— 
gebügelt ein ungestärktes farbiges Hemd hervor, mit
	        
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