860 Sitzung am 15.
Wir hatten aber noch unserm Antrag einen
Zwischensatz angefügt, daß sie zum Zwecke der Herstel
lung von Wohnungen, die am Besitz der Gemeinde
bleiben sollen, den Gemeinden zugeführt werde. Und
diesen Zwischensatz, der für uns wesentlich und wichtig
ist, haben Sie bei der Kommissionsberatung füglich
herausgelassen. Das heißt also, weiterhin die Bezu
schussung von Wohnungen, die durch private Unter
nehmer gebaut werden, weiterhin die Schaffung von
Privatkapital aus Kosten der Arbeiter, der Angestellten
und Beamten und weiterhin dieses System der Haus
zinssteuerverteilung wie bisher.
Meine Damen und Herren! Dagegen sind wir aller
dings grundsätzlich, und deshalb sehen wir uns genötigt,
unsern im Ausschuß abgelehnten ersten Absatz unseres
Antrages hier wiederum einzubringen. Wir beantragen
also, wie es im ersten Absatz unseres Antrages hieß, daß
die Hauszinssteuer völlig beseitigt und der staatlich
festgesetzte Mietzins um deren Betrag gesenkt wird.
Dann sind wir weiterhin der Ansicht, daß auch der
heransgestimmtc Zwischensatz wieder hergestellt werden
muß, daß diese durch die Hauszinssteuermittel, solange
sie erhoben werden, hergestellten Wohnungen im Besitz
der Gemeinde bleiben müssen. Wir beantragen deshalb,
in den Ausschnßbeschluß einzufügen, und zwar hinter
den Worten: „für den Bau von Wohnungen" die Worte:
„die im Eigentum der Gemeinde bleiben müssen".
Meine Damen und Herren! Ich hoffe, daß auch die
Redner der andern Parteien sich einmal der Mühe
unterziehen, wenn sie schon nicht unserm Antrage zu
stimmen wollen, doch hier einmal von der Tribüne
dieses Hauses aus nachzuweisen, wo und für wen die
Hauszinssteuer nützlich wirkt und den Beweis dafür zu
erbringen, daß die werktätige Masse der Bevölkerung
von der Hauszinssteuer auch nur den geringsten Nutzen
hat. Den Beweis werden Sie schuldig bleiben müssen.
(Lebhafter Beifall bei den Komm.)
Vorst. Haß: Die Beratung ist geschlossen. Herr
Kollege Letz hat beantragt, daß der Absatz 1 des An
trages Drucks. 683 erneut zur Abstimmung kommen soll.
Der Absatz lautet:
„Die Stadtverordnetenversammlung ersucht den
Magistrat, bei der Reichs- und Landesregierung dahin
zit wirken, daß
1. die Hauszinssteuer völlig beseitigt und der staatlich
festgesetzte Mietzins um deren Betrag gesenkt
wird."
Das ist also ein Abänderungsantrag zum Ausschußbe
schluß. der zuerst zur Abstimmung kommen muß.
Wer also für diese Wiederherstellung des ersten
Absatzes des Antrages Drucks. 683 nach dem Antrage der
Kommunistischen Fraktion ist, bitte ich, eine Hand zu
erheben. ■
(Geschieht.)
Das ist die Minderheit. Abgelehnt.
Wir kommen dann zur Abstimmung über den Ab
änderungsantrag zum Beschluß des Ausschusses. Der
Beschluß des Ausschusses lautet:
„In Abänderung des Antrages der Stadtv.
Gäbe! it. Gen. ersucht die Versammlung den
Magistrat, bei der Reichs- und Landesregierung dahin
zu wirken, daß der gesamte Ertrag der Hauszins
steuer den Gemeinden zur Verwendung für den Bau
von Wohnungen, . . ."
— da soll eingefügt werden:
„die im Eigentum der Gemeinde bleiben müssen", —
.„zur Verfügung gestellt werden."
Ich lasse zunächst über die Einschaltung im Antrag
Gäbel, Letz u. Gen, abstimmen. Wer für diese Ein
schaltung ist, bitte ich, eine Hand zu erheben.
- •• (Geschieht.) ■
Die Minderheit. Abgelehnt,
November 1928.
Wer nun für den Beschluß des Ausschusses ist, bitte
ich, eine Hand zu erheben.
(Geschieht.)
Das ist einmütig beschlossen.
Punkt 12 wird vertagt.
Wir kommen zu Punkt 13 der Tagesordnung.
(Unruhe.)
Ich bitte einen Augenblick um Aufmerksamkeit.
Im Aeltestenausschuß hat die Deutschnationale
Fraktion beantragt, diese Vorlage, betr.
Bewilligung von 49 500 Mt zur Unterbringung von
70 weiblichen Geisteskranken in der Diakonissen-
anstalt Bethanien in Kropp (Schleswig) — Druck
sache 880 —,
einem Ausschuß zu überweisen. Jetzt beantragt auch
Herr Dr. Lohmann u. Gen., diese Vorlage an einen
Ausschuß zu überweisen. Dazu haben Herr Gäbel it.
Gen. einen Antrag gestellt, der lautet:
„Die Stadtverordnetenversammlung lehnt die
Vorlage des Magistrats ab und beschließt: Um bei
der kolossalen Bettennot auf dem Gebiete des Irren-
wesens Abhilfe zu schaffen, wird der Magistrat ersucht,
sofort eine Vorlage über den Ausbau oder Neubau
von Heil- und Pflegeaustalten vorzulegen.
Bis dahin ist ein Austausch der Geisteskranken
nach der Richtung hin vorzunehmen, daß die leichter
Erkrankten in Leichtkrankenhäusern untergebracht
werden."
Es würde sich also wohl empfehlen, setzt diese Vorlage
mit dem Antrage an einen Ausschuß zu geben. Da
gegen wird Widerspruch nicht erhoben. So beschlossen.
Punkt 14 ist bereits erledigt.
Wir kommen zu Punkt 15:
I. und II. Beratung der Vorlage, betr. Bewilligung
von 29 000 Mt zur Durchführung unvorher
gesehener Bauarbeiten im städtischen Jugend- und
Nebernachtungsheim, Luisenstraße 36 — Druck
sache 885 —.
Die Beratung ist eröffnet. Das Wort hat Herr
Kollege Dr. Caspari.
Stadtv. Dr. Caspari (V): Meine Damen und
Herren! Ich habe gegen die Vorlage an sich nichts
einzuwenden. Es ist nicht weiter erstaunlich, daß, wenn
ein altes Haus umgebaut wird, sich Mängel zeigen, die
beseitigt werden müssen. Man wird sich nur in Zukunft
überlegen müssen, ob man immer weiter alte Häuser
umbaut oder nicht lieber neue baut. Es gibt so einen
hübschen bayerischen Vers: „Wenn einer ein Geld hat
und ist dumm, kauft er ein altes Haus und baut's itnt."
Das scheint mir in Berlin auch manchmal so.
Aber wogegen wir uns mit aller Entschiedenheit
wenden müssen, obgleich ich überzeugt bin, daß der
Magistrat auch diesmal wieder nicht antworten wird, er
iauoriert ia offenbar setzt das, was die bürgerlichen
Parteien sagen, ist. daß bei dieser Vorlage eine ganz
neue Art der Finanzierung Platz greift, ebenso wie bei
den beiden nächsten. Es ist eine allernencste Erfindung,
daß man Vorbehaltsmittel verausgabt trotz lieber
schreitnnq. Meine Damen und Herren! Ich glaube,
auch diejenigen, die schon sehr lange in dieser Versamm
lung sitzen, lesen diesen Passus zum erstenmal. Bisher
ist es doch immer so gewesen, daß. wenn die Vorbehalts-
mittel verbraucht waren, der Magistrat sagte: Die Vor-
beHaltsmittel sind verbraucht in der und d>'r Weise, ich
habe keine mehr, bitte mir neue zu bewilligen. Wir
haben ja vor etwa 4 Wochen erst 2 Millionen Reichs
mark neue Vorbehältsmittel bewilligt. .Wir haben da
mals schon darauf hingewiesen, daß die Art. wie diese
Vorbehältsmittel verbraucht wurden, gerade nicht ge
eignet ist. dem Zweck der Vorbehaltsmittel zu dienen,
sondern dafz man die Vorbehältsmittel für alles mög
liche verwendet, für das sie nicht reserviert sind. Jetzt
ist düs, was ich damals vorausgesagt habe, eingetreten.