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Full text: Die blaue Laterne / Lindau, Paul (Public Domain)

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Lassen ... Ich habe nichts hinzuzusetzen als die Be— 
merkung, daß auch in dieser heiklen Stellung die un— 
glückliche Frau sich der strengsten Zurückhaltung be— 
flissen und mit den häßlichen Elementen, die da ver— 
kehren, keinerlei Fühlung genommen hat.“ 
Es entstand eine lange, lange Pause. Franz stemmte 
den Ellbogen auf den Tisch und drückte die geballte 
Faust in die Wange. Er biß sich auf die Unterlippe, 
seine Nasenflügel blähten sich, und schwer atmend 
starrte er vor sich hin. 
Frau Katharina hatte die Hände im Schoß gefaltet 
und den Kopf gesenkt. Nach endlosem Schweigen 
sagte sie ganz leise und mit zitternder Stimme: „Um 
Gottes willen!, Das ist ja fürchterlich! .. 4 Das ist 
ja ganz J Die arme Frau! Und die arme 
Gabriele! Mein Gott, was ist denn da zu tun? Ich 
bin ja wie vor den Kopf geschlagen.“ 
Felix ließ sich Zeit, bevor er auf die Frage eine 
Antwort gab. „Ich stehe auch ratlos da. Ich weiß 
das Schreckliche seit einer Stunde. Ich habe es in 
meinem Kopfe hin und her gewälzt, — ich weiß nicht, 
was ich sagen soll. Ich sehe nur das eine, und das ist 
hart und schwer: die Unmöglichkeit, den Verkehr zwi— 
schen Fräulein Gabriele und Elisabeth aufrecht zu er— 
halten.“ 
Franz legte seine Stirn in Falten des Unmuts. 
aber er rührte sich nicht. 
„Niemals,“ fuhr Felix fort, „ist mir das grausame 
Wort, daß auch der Gerechte viel leiden muß, zu schmerz⸗ 
licherem Verständnis gekommen als in diesem Falle.
	        
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