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Full text: Die blaue Laterne / Lindau, Paul (Public Domain)

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beherzigt zu haben und nahm sich nicht genug in acht 
Wenige Tage nach ihrem Zusammensein glitt sie auf 
der Treppe aus, fiel einige Stufen hinab und verletzte 
sich am Ellbogen und rechten Vorderarm. Es war 
gar nicht gefährlich, aber doch wohl schmerzhaft. Dem 
guten Rat der verständigen Haushälterin, der braven 
Frau Nippers, ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen, 
setzte sie den entschiedensten Widerstand entgegen. Es 
wäre ja nicht der Rede wert / Arnika täte es auch, 
meinte sie. 
Aber ganz so leicht mußte die Sache doch wohl 
nicht vertausen sein, denn Helene klagte gegen Abend 
über heftige Schmerzen und legte sich früh ins Bett. 
Von einem Arzte wollte sie aber durchaus nichts wissen. 
Sie wollte überhaupt keinen Menschen sehen. Von 
der Sache solkte gar kein Ausheben gemacht werden. 
Und nur um des Himmels willen dem Herrn kein Wort 
schreiben! Der arme Herr habe den Kopf so voll und 
sei so besorgt. Es sei ja nichts von Bedeutung. Man 
möge sie nur allein lassen, war ihr bestaͤndiger Wunsch. 
Selbst die Gesellschaft der guten Frau Nippers schien 
ihr nicht angenehm zu fein. Sie fühlte sich, wie sie 
sagte, zu schwach, um Menschen um sich zu sehen. 
Wenn sie jemand brauche, werde sie rufen. 
Sie blieb zehn Tage bettlägerig. Während der Zeit 
aß sie nur Wassersüppchen und ein ganz klein wenig 
geröstetes Fleisch. Sie hatte sich in ihrem Bette eine 
möglichst bequeme Schreibgelegenheit hergestellt und 
vertrieb sich mit dem etwas beschwerlichen Schreiben 
der täglichen Briefe die Zeit. Von ihrer Krankheit
	        
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