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Full text: Die blaue Laterne / Lindau, Paul (Public Domain)

1833 — 
— 
trat. Sie war zum Umsallen müde, legte nur ihren 
Hut ab und warf sich, wie sie ging und stand, aufs 
Bett. Das Licht brannte neben ihr auf dem Tische. 
Sie schlief nicht. Aber ihre Vorstellungen ver— 
wirrten sich allmählich. Sie kämpfte mit dem Ent— 
schluß, sich zu entkleiden. 
— Da hörte sie auf der Stiege schwere Tritte und ein 
polterndes Geräusch. Die Schritte kamen näher her— 
auf. Sie richtete sich auf ihrem Lager halb auf und 
— D 
gesteckt, die Zimmertür öffnete sich. Lene trat ein in 
einem koketten Reiseanzuge, den Scbine noch nicht 
kannte. 
Lene sagte in gleichgültigem Tone: „Guten Abend! 
Noch wach?“ Dann wäandte sie sich zum Kutscher, der 
mit dem Koffer auf dem Rücken jetzt auf der Türschwelle 
erschien: „Stellen Sie's nur dahin. .. s/ Danke.“ Sie 
gab ihm ein Trinkgeld und rief ihm, aͤls er sich schon 
umgewandt hatte, nach: „Drücken Sie nur die Haus— 
tür fest an!“ 
—— 
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Sabine war aufgestanden, und die beiden machten 
wie in früheren Zeiten gewöhnlich, aber seit Wochen 
nicht mehr, gleichzeitig Toilette zur Nacht. Sie sprachen 
kein Wort miteinander. Lene fühlte kein Bedürfnis, 
ihrer Schwester zu sagen, was sie während der letzten 
fünf Tage getrieben hatte, und Sabine fragte nicht danach. 
Lene war früher fertig. Als sie unter die Decke 
schlüpfte, sagte sie: „Bitte, beeile dich jetzt ein bißchen 
und mach das Licht aus. Ich bin schrecklich müde. 
Gute Nacht. “
	        
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