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Full text: Die blaue Laterne / Lindau, Paul (Public Domain)

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Schließlich wagte sie auch einige vorsichtige, kritische 
Bemerkungen über den Rittmeister, die dem dunklen 
Empfinden Gottfrieds erst den klaren Ausdruck gaben: 
„Baron von Guntershausen — ein perfekter Kavaliex 
ist er ja gewiß. Ah, daran darf kein Mensch zweifeln! 
Aber ... ich weiß nicht, ob ich mich irre... manchmal 
will es mir doch scheinen, als ob er in eurem Freund⸗ 
schaftsbunde mehr empfänge als gäbe, als ob seine 
Zuneigung zu dir doch nicht ganz uneigennützig sei ... 
Du bist doch der beste! Und am liebsten bin ich mit dir 
allein! Ohne die anderen! Ganz allein!“ 
Foeren lächelte glückselig. Sie hatte längst gemerkt, 
daß er nicht bloß amüsiert sein wollte, daß es ihm auch 
Freude bereitete, wenn mitunter eine sentimentale 
Saite angeschlagen wurde. 
Sie ließ sich langsam vor ihm auf die ani⸗ nieder⸗ 
gleiten und sah mit inniger Rührung zu ihm auf. „Ich 
fühle mich so glücklich, daß mich manchmal eine aber⸗ 
gkäubische Angst überfällt. Und ich frage mich dann: 
Kann es denn so bleibenꝰ?.. / Und dann sehe ich Schreck 
liches vor mir. . Wenn du mich verließest — wahr⸗ 
haftig, ich täte mir was an! Was sollte ich auch an— 
fangen ohne dich? Ich habe niemanden auf der Welt! 
/Ich habe so für mich hingelebt, ohne mir Gedanken 
zu machen. Mein Gott, ich bin ja noch jung, beinahe 
ein Kind. Erst seitdem ich mit dir zusammeu bin, habe 
ich empfinden gelernt. Jetzt weiß ich, daß ich jung bin. 
Ich weiß aber auch, daß ich außer dir keinen Freund 
habe, keinen Beistand. Mit dir würde ich alles ver— 
lieren — alles! Und das ertrüge ich nicht!“ 
—2
	        
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