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Full text: Die blaue Laterne / Lindau, Paul (Public Domain)

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Endlich sagte Lene etwas zaghaft: „Ja, was sollen 
wir denn tun?“ 
„Gefühlssache! Das kann ich euch nicht so sagen. 
Wenn ihrs noch nicht kapiert habt, werdet ihr's nie 
begreifen. Ich sage — und das ist mein letztes Wort — 
ich sage: Das Leben ist nicht dazu da, Im verpfuscht 
zu werden! Die Jugend ist nicht dazu da, daß sie ver⸗ 
sauert, daß man alles entbehrt, was einem Spaß macht! 
Man geht nicht zum Theater, um in solchen Fähnchen 
herumzulaufen und sich mit Pellkartoffeln zu füttern. 
Und wenn man ein armes, hübsches, junges Mädel 
ist . . dann ... dann ist man eben ein hübsches, junges 
Mädel und braucht nicht arm zu sein. Dann braucht 
man hochfeinen Herren nicht vorzuenthalten, was man 
einem versoffenen Schlossergesellen in der Ehe gibt. 
Leben und leben lassen! .. / Und wie gesagt: Für nichts 
ist nichts! .. Das ist so meine Meinung, halten zu 
Gnaden! ¶ Na also, Prost, Kinder!“ 
Er befeuchtete mit einem tüchtigen Schluck die Kehle, 
die ihm vom vielen Reden krocken geworden war. 
Die beiden waren sehr nachdenklich geworden. 
Schweydam meinte es ganz gewiß gut mit ihnen, bei— 
nahe wie ein Vater. Und er hatte sicher recht; er 
war ja so viel älter, so viel erfahrener. Sie waren 
ihm dankbar für seine Ratschläge. 
Und sie dachten an ihre Freunde, die hochfeinen 
Herren: wenn die's nur ernst meinten! Wenn sie 
morgen nur wiederkommen würden! Wenn ihre Reise 
nur kein Vorspiel zum Bruch war! Das war's, was 
sie vor allem beschäftigte. Und wenn ihnen nebenher
	        
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