Path:

Full text: Die blaue Laterne / Lindau, Paul (Public Domain)

k39 
Mäntel, keine goldenen Ketten um den Hals, keine 
wallenden weißen Federn am Barett trugen — Men— 
schen, die sich gerade so anzogen wie alle anderen, und 
denen man auf der Straße zu Dutzenden begegnete 
Sabine und Lene lebten nur noch ineder Erwartung 
der Abende, die sie mit den beiden Freunden verbringen 
würden, lebten nur noch für diese Abende. Daß sie 
darauf auf einmal verzichten sollten, erschien ihnen wie 
eine grausame Strafe. Ihrem Tage fehlte der eigent⸗ 
liche Zweck des Daseins. Jetzt entbehrten sie, was sie 
bisher zu wünschen nie gewagt, was sie nie geträumt 
hatten. Das Zurückfallen in ihr gewöhnliches Leben, 
in die Verhältnisse, auf die sie allein Anspruch hatten, 
war in ihren Augen nun eine lieblose Verkürzung be— 
rechtigter Forderungen, eine Schmälerung erworbener 
Rechte. 
Als Lene sich aus ihrer betäubenden Überraschung 
srholt hatte, vergoß sie heiße Tränen. Sabine starrte 
tieftraurig vor sich hin. 
Sie machten sich allerlei Gedanken. Peinigendes 
Mißtrauen beunruhigte sie aufs äußerste. Vielleicht 
war die Depesche, von der Foeren sprach, nur ein Vox— 
wand. Vielleicht war man ihrer schon überdrüssig. 
Vielleicht war alles aus! Das wäre schrecklich! 
Das Leben, wie es gewesen war, wieder aufnehmen 
— nach dem Theater nach Hause, in die ͤ—de Wohnung, 
in der man es vor Kälte nicht aushalten konnte, wenn 
der Ofen nicht brannte, und vor Hitze nicht einschlafen, 
wenn geheizt wurde, sich mit einer Tasse schlabbrigen 
Tee, wenn's hoch kommt, mit einem Stück Wurst, in
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.