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Mäntel, keine goldenen Ketten um den Hals, keine
wallenden weißen Federn am Barett trugen — Men—
schen, die sich gerade so anzogen wie alle anderen, und
denen man auf der Straße zu Dutzenden begegnete
Sabine und Lene lebten nur noch ineder Erwartung
der Abende, die sie mit den beiden Freunden verbringen
würden, lebten nur noch für diese Abende. Daß sie
darauf auf einmal verzichten sollten, erschien ihnen wie
eine grausame Strafe. Ihrem Tage fehlte der eigent⸗
liche Zweck des Daseins. Jetzt entbehrten sie, was sie
bisher zu wünschen nie gewagt, was sie nie geträumt
hatten. Das Zurückfallen in ihr gewöhnliches Leben,
in die Verhältnisse, auf die sie allein Anspruch hatten,
war in ihren Augen nun eine lieblose Verkürzung be—
rechtigter Forderungen, eine Schmälerung erworbener
Rechte.
Als Lene sich aus ihrer betäubenden Überraschung
srholt hatte, vergoß sie heiße Tränen. Sabine starrte
tieftraurig vor sich hin.
Sie machten sich allerlei Gedanken. Peinigendes
Mißtrauen beunruhigte sie aufs äußerste. Vielleicht
war die Depesche, von der Foeren sprach, nur ein Vox—
wand. Vielleicht war man ihrer schon überdrüssig.
Vielleicht war alles aus! Das wäre schrecklich!
Das Leben, wie es gewesen war, wieder aufnehmen
— nach dem Theater nach Hause, in die ͤ—de Wohnung,
in der man es vor Kälte nicht aushalten konnte, wenn
der Ofen nicht brannte, und vor Hitze nicht einschlafen,
wenn geheizt wurde, sich mit einer Tasse schlabbrigen
Tee, wenn's hoch kommt, mit einem Stück Wurst, in